Kolumne Oktoberfest

O´zapft is´! Auch für die Liebe?

von Kerstin May

Das Oktoberfest, größtes und von begeisterten Ländern meist kopiertes Volksfest der Welt, lädt zur fröhlichen Gaudi bei Maß, Weißwurst, Trachtenschau, Wiesn-Hits und zünftiger Blasmusik. Sind heiter-urige Atmosphäre, (hoffentlich!) strahlender Sonnenschein und Feierlaune bei den Gästen auch die beste Basis, die Liebe zu finden? Und wie geht man es an? Ein kleiner Liebes- Wiesn- Knigge.

Fesche Buam und feine Madln, über 6 Millionen Besucher allein der original Münchner Wiesn, so viele Mitglieder hat die bestsortierte Singlebörse nicht. Alle in bester Laune, durch die eine oder andere Maß herrscht herrlich lockere Stimmung, typische bayerische Lebensfreude liegt in der Luft…das macht auf jeden Fall flirtbereit. Also da geht doch was für die Liebe. Oder?

Natürlich liegt es nahe, so zu denken. Besonders die Herren werden mit tiefen Einblicken, wie sie hinreißende Dirndl gewähren, geradezu verwöhnt. Außerdem sieht man(n), auch frau, gleich das begehrte Objekt in voller Tageslichttauglichkeit. So gut trifft es sich in mancher Cocktailbar oder Diskothek ja nicht unbedingt. Und wie viel leichter kann man ins Gespräch kommen, deutlich mehr interessante Anlässe bietet die bunte Gaudi als gerade genannten Räumlichkeiten.

Perfekte Voraussetzungen; also nichts wie ran?

Auch, wenn die Wiesn ein Ambiente anderer Art schafft, gilt auch hier unverändert, lieber etwas vorsichtiger und bedachter vorzugehen, ist das künftige Herzblatt erkoren. Die üblichen Fallen, in die man so gern anderenorts tappt, lauern nun mal auch hier:

Ist sie/ er überhaupt Single? Ein bisschen beobachten statt gleich loszustürmen, schadet nie. Unangenehm, wird das Unternehmen vom zurückkehrenden Partner unterbrochen, wenn Mut gefasst und der erste Satz über die Lippen gekommen ist. Manch´ zu mutiger Flirtversuch endet dann schnell nicht mit einem  gemeinsamen, sondern einem ausgegossenen Bier auf der Festtagsrobe.

Apropos: Das kann auch gleich vom gewählten „Madl“ selbst kommen. Gerade die Herren unter den Suchenden lassen sich gern unter dem Einfluss des Alkohols ermutigen, was sie schnell über die Stränge schlagen lässt. Etwa einfach mal die Schöne greifen und zur Tanzfläche schwingen, funktioniert in Filmen. Der Realität halten solche Annäherungen nicht stand.

Auch eine mit Bieratem hingehauchte Sympathiebekundung fördert nicht gerade die Begeisterung der Gegenseite. Achtung, das gilt genauso für die Damen! Stehen dann auch noch die kichernden, auf Erfolg hoffenden Freundinnen in Sichtweite, fühlt sich der Mann eher verschaukelt als ernsthaft angesprochen.

Hat man sich beim Genuss zu allem Überfluss auch noch überschätzt und startet seine Annäherung wankend, ist der gute erste Eindruck dahin. So zögerlich man beim Alkohol normalerweise sein mag, präsentiert hat man sich gerade als eher unmäßig.

Wir merken schon, genügend altbekannte Fettnäpfchen warten auch während der Wiesn auf Füße, die kräftig hineintreten.

Hinzu kommt, dass dem Oktoberfest, wie allen Brauchtumstagen mit feucht-fröhlichem Feiercharakter, auch immer der Hauch des Unverbindlichen beiwohnt. Also selbst wenn noch so gute Pointen gesetzt, noch so nette Kontakte geknüpft werden, ist die Gefahr sehr groß, dass nach der Wiesn nichts weiter daraus wird. Wirklich Bindungswillige werden tendenziell enttäuscht aus dem Abenteuer Oktoberfest gehen.

So hat auch eine Umfrage unter unseren Mitgliedern ergeben, dass die beliebte Gaudi eher nicht als Plattform wahrgenommen wird, die wahre Liebe zu finden.

Aber bevor es zu Missverständnissen kommt: Es soll jetzt niemand entmutigt und ihm nahegelegt werden, besser schulterzuckend weiter zu ziehen, entdeckt er ausgerechnet zu Füßen des Teufelsrades die Traumpartie. Für Suchende gilt unverändert: Liebe ist nicht plan- und damit auch für gewisse Orte, zum Glück, nicht ausschließbar. Das richtige Kennenlernen beginnt nach dem Oktoberfest, ohne Blasmusik, ohne Tracht, ganz als Mensch, der man eben ist und den er oder sie ja künftig eben so lieben soll.

Eine Minute sollte sich jede/r Suchende gönnen, kurz in sich hineinzuhören, ob der Gegenüber auch außerhalb aller Feierlaune spannend bleiben könnte. Dann die Nummern zu tauschen und sich bei einem Date „im Alltag“ eine Chance zu geben, bleibt immer noch der beste Rat und birgt die echte Chance auf den Liebeserfolg. Also mutig bleiben, neugierig und sich ruhig von der fröhlichen Stimmung tragen und etwas „auflockern“ lassen. Selbst wenn es doch nicht mehr werden soll, der Genuss eines tollen Flirts bleibt.

Zum Schluss ein kleiner Tipp für Singledamen und – Herren: Ledige Madln, die gern a fesches Mannsbild kennen lernen möchten, knoten die Schleife ihrer Dirndlschürze links.


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