Neuer Partner, neue Kompromisse

Kompromisse – Unterschiede, die verbinden

Sie sind sich einig, die Gefühle stimmen, die Beziehung ist wunderbar. Konflikte, gar Streit? Undenkbar. Leider nicht unrealistisch, den auch frisch Verliebte wissen nur zu genau, wie schnell erste Uneinigkeit im Raum stehen kann. Jetzt muss die berühmte „Goldene Mitte“ erarbeitet, ein Kompromiss gefunden werden. Das ist nicht immer sehr leicht, bestimmte Differenzen erfordern mitunter viel Toleranz und Akzeptanz.

So finden Sie guten Umgang mit konfliktträchtigen Themen:

Sprechen Sie klar über Erwartungen und Grenzen

Das Leben zu zweit fordert grundsätzlich ein Entgegenkommen und die Bereitschaft, zu teilen. Pläne werden zu zweit geschmiedet, wichtige Entscheidungen gemeinsam getroffen. Je erfahrener und zielbewusster Sie sind, desto genauer wissen Sie, wie weit Sie sich auf einen Menschen einstellen können und vor allem wollen. Heißt für die Partnerschaft: Sie können einander darlegen, was für Sie in der Beziehung verhandelbar ist und wo Sie Ihre Grenze ziehen. Ist z.B. ein Flirt ein Treuebruch? Wie weit ist es vertretbar, dass die Partnerschaft hinter dem Beruf zurück steht?

Wer für sich weiß, was er erwartet, kann klare Regeln definieren. Ebenso ist es ihm in bestimmten Situationen leichter möglich, auch einmal nachzugeben. Haben Sie Erwartungen und Grenzen geklärt, sind Sie vor unangenehmen Überraschungen in einem Konflikt schon einmal recht gut geschützt.

Erfahrene Paare wissen: Je besser sie ihre Erwartungen an Bindung und Partner kennen und darlegen, desto leichterer Weg ist guten Kompromissen geebnet.

Du bist ok, ich bin ok.

Den anderen mit Forderungen in den Schwitzkasten nehmen, um eigene Positionen durchzuboxen? Alle Unterschiede weich klopfen, bis kein „Ich“ mehr aus dem „Wir“ lugt? Besser: Ihn oder sie im Anderssein ernst und annehmen. Von Anfang an. Er geht auch sonntags Joggen? Sie telefoniert täglich mit Ihrer Mutter? Offensichtlich tun sie’s gern. Machen Sie in der Zeit einfach was Anderes, kümmern Sie sich um sich. Er liebt die Champions League? Sie verpasst keinen Frau-suchenden Bauern? Dann lieber ein zweiter Fernseher als ein Programm, an dem nur einer oder keiner Freude hat.

Liebe heißt nicht auf Teufel komm raus alles teilen und toll finden, was der andere macht. Was zählt: einander Raum geben und sich freuen, dass sie oder er Spaß an einer Sache hat – solang er nicht in verschwitzten Jogging-Leggins beim Date auftaucht und sie zwischendrin eine halbe Stunde ins Handy schnattert.

Wie du mir, so ich dir.

Unterschiedliche Ansichten, Bedürfnisse und Vorlieben können erfrischende Bereicherungen sein – oder Kompromisse erfordern. Damit die funktionieren, ist ein Geben und Nehmen vonnöten. Gibt einer deutlich öfter nach, gerät die Zweisamkeit in eine Schieflage: Das Selbstwertgefühl des Zurücksteckenden schrumpft. Und das schwächt auf Dauer auch die Bindung.

Eine Partnerschaft ist keine Einbahnstraße. Sie teilt abends gern ihre Erlebnisse mit ihm, er ist am Ende des Tages eher maulfaul? Oder umgekehrt? Die Verabredung in der Mitte: Sie/Er hält die Geschichten kurz und trifft dafür auf offene Ohren. Beide bewegen sich – so machen Kompromisse Spaß. Weil beide etwas tun, das dem anderen zeigt: „Deine Bedürfnisse sind mir wichtig.“ Nachgeben als Geschenk.

Frische Deals statt faule Kompromisse

„Aus faulen Eiern werden keine Küken“, wusste Wilhelm Busch. Einen faulen Kompromiss erfühlen Sie: Einer kann mit dem Deal prima leben, dem anderen bereitet er Bauchschmerzen. Typisches Beispiel: Nähe und Distanz. Sie wissen: „Ich brauche auch mal einen Tag oder eine Nacht für mich.“? Für Ihr Herzblatt ist zusammenwohnen ein Muss? Zwei Schlafzimmer können die Lösung sein – oder schon zu viel Abstand. Im schlimmsten Fall geht’s beiden damit schlecht. Das Bedürfnis nach Ich- und Wir-Zeit ist Teil des Wesens. Und in der Regel unveränderbar.

Früh über Grundsätzliches sprechen hilft: „Was brauchst du? Das kann ich geben und leben. Mein Vorschlag: …“ Ein zweiter Fall: Eifersucht. Ihr Schatz erträgt es nicht, dass Sie auch andersgeschlechtliche Freunde haben. Und treffen. Der falsche Weg: die Freundschaften kappen. Vom Partner zu fordern, Freundschaften aufzukündigen, geht klar zu weit. Es gilt, der Eifersucht Zügel anzulegen. Entgegenkommen? Wo’s geht! Sich total verbiegen, um einen Menschen zu halten? Geht gar nicht! Machen Sie nur Zugeständnisse, mit denen sie auf Dauer ohne Zähneknirschen leben können.

Konsens schien gefunden, trotzdem gibt es jetzt lange Gesichter? Schauen Sie noch einmal genauer hin. Vielleicht wollten Sie einfach zu viel zu schnell.

Nicht alles auf einmal

Ein Kompromiss ist faul, wenn nur einer sich dran hält. Was nutzt die Absprache, bei Verabredungen pünktlich zu sein oder abwechselnd das Bad zu putzen, wenn’s dann nur einer ist oder macht? Gewohnheiten und Verhaltensmuster sind tief verwurzelt und nicht von heute auf morgen änderbar. Manche so gut wie gar nicht. Sie merken, dass Sie sich mal wieder verzettelt haben? Hörer in die Hand und so früh wie möglich Bescheid geben, statt die Verspätung wegzulächeln. Ihr Schatz wird in puncto Uhrzeit treffsicherer, kommt aber immer noch regelmäßig eine Viertelstunde zu spät? Wenn Sie ab jetzt selbst zehn Minütchen später auflaufen, warten Sie nicht mehr, bis Sie schwarz werden oder rotsehen.

Wichtig: Guten Willen zeigen – und den anderen nicht mit Erwartungen überfordern. Halten Sie sich immer wieder vor Augen, warum Sie Ihren Schatz lieben und wo’s überall passt. Unstimmigkeiten lassen sich dann viel leichter abfedern.

Kritik üben üben

Spätestens wenn die Gefühle im Alltag ankommen, wird klar: Der Deckel passt (doch) nicht 100-prozentig. Was Wunder: Ein Mensch hat viele Seiten. Ein Spiegelbild der eigenen Wünsche und Wesenszüge finden? Illusion. Und auf Dauer wär’s dazu wenig inspirierend.

Doch sind die Unterschiede gravierend oder manche Macken extrem anstrengend, können die Gefühle schon mal überkochen. Denken Sie an Ihre eigenen Marotten und nehmen Sie seine oder ihre mit Humor. Nur: Schweigen Sie sie nicht tot: Klären Sie gemeinsam: Was stört mich? Und warum? Warten Sie einen ruhigen Moment ab – Stress-Situationen, etwa nach einem proppenvollen Tag, sind denkbar unpassend. Und dann formulieren Sie Ich-Botschaften statt Du-Vorwürfe: „Ich find’s schade, dass ich immer die treibende Kraft bei unseren Unternehmungen bin.“ statt „Du machst nie Vorschläge.“ Und nie vergessen: Ihr Standpunkt ist nur einer neben anderen. Nobody’s perfect.

Ihr Weg zum gesunden Kompromiss im Überblick

1.    Mein A und O – Bedürfnisse und Lebensziele früh nennen
2.    Dein A und O – einander Raum geben und lassen, wie man ist
3.    Mein A für dein O – auf Augenhöhe erwarten und nachgeben
4.    Aaa und Ooo – Zugeständnisse mit langer Haltbarkeit machen
5.    Von A nach O – sich schrittweise aufeinander zubewegen
6.    Aha statt Oha – verstehen statt verurteilen



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