Neuer Partner, neue Kompromisse

Kompromisse – Unterschiede, die verbinden

Die neue Beziehung ist wunderbar. Die Gefühle stimmen, meistens sind Sie sich vollkommen einig. Konflikte, gar Streit? Fast undenkbar.
Fast. Denn einig sind Sie sich eben „nur“ meistens. Auch ganz frisch Verliebte wissen, wie schnell die erste Uneinigkeit im Raum stehen kann. Zum Beispiel, weil etwas in der vorherigen Partnerschaft kein Problem war, in der neuen aber anstößt.
Höchste Zeit, gemeinsam neue Kompromisse zu erarbeiten. Leicht lassen sich die nicht immer finden. Bestimmte Differenzen erfordern mitunter viel Toleranz und Akzeptanz.

Das klingt eher, als schwäche das die Bindung? Ganz und gar nicht. Das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen kann Ihre Beziehung durchaus stärken, da nur gefundene Kompromisse die Harmonie nachhaltig fördern.
Und so finden Sie zum guten Umgang mit konfliktträchtigen Themen:

Sprechen Sie klar über Erwartungen und Grenzen

Reife Partner haben einen klaren Vorteil. Sie gehen naturgemäß erfahrener und zielbewusster in die Partnerschaft. Sie wissen, wie weit sie sich auf den Anderen einstellen können und vor allem wollen. Sie finden mitunter sehr viel leichter in einen Kompromiss.
Was machen sie richtig?
Sie legen einander dar, was für sie in der Beziehung überhaupt konsensfähig wäre. Und wo sie widerum feste Grenzen ziehen. Ist z.B. ein Flirt bereits ein Treuebruch oder harmloser Spaß? Wie weit ist vertretbar, die Partnerschaft hinter den Beruf zu stellen, usw.?
Wer sich gemeinsam im Klaren ist, was er in einer Partnerschaft erwartet, kann klare Regeln ebenso definieren wie einhalten. Ebenso wird ihm damit leichter möglich, auch einmal nachzugeben.

Reflektieren Sie also über Ihre Erwartungen und Grenzen, tauschen Sie sich darüber aus. So legen Sie nicht nur den Grundstein, Kompromisse erarbeiten zu können. Sollte es zwischen Ihnen zum Konflikt kommen, sind Sie beide übereinander im Bilde. Und damit vor unangenehmen Überraschungen recht gut geschützt.

Erfahrene Paare wissen: Je besser sie ihre Erwartungen an Bindung und Partner kennen und darlegen, desto leichterer Weg ist guten Kompromissen geebnet.

Achtung: Kompromisse bedeuten nicht auch Konfliktfreiheit

Eine Falle lauert auch in der Konsensfindung! Manche Paare erwarten leider, dass Kompromisse doch auch Streit verhindern müssten. Immerhin hat man seine Ansichten geteilt und das Entgegenkommen gemeinsam definiert …
So viel Harmonieerwartung überfrachtet Kompromisse. Nicht alles kann nun einmal definiert, nicht alles diskutiert werden. Nicht jede Situation ist gleich und auch nicht die tägliche Befindlichkeit. Manchmal kann eine Vereinbarung vergessen werden. Oder es fehlt die Energie dazu.

Wichtig also: Kompromisse legen keinen Streit-Schutzmantel über die Beziehung. Differenzen wird es immer geben. Das ist normal und, werden sie gelöst, sogar gut für die Bindung.

Konflikte müssen nicht immer auch Kompromisse nach sich ziehen

Dieser Punkt knüpft an zuvor Gesagtes an. Manches in der Beziehung ist nicht konsensfähig. Nicht immer muss zum Streitthema daher auch ein Kompromiss gefunden werden. So lapidar es klingt, manchmal müssen Sie Dinge einfach so stehen lassen. Die Gefahr ist sonst zu groß, sich in ständiger Beziehungsarbeit zu befinden und immer mehr Diskussionen aufzubrechen.
Geht es um Marginalitäten? Belassen Sie es dabei. Wurde eine Grenze überschritten, womit Sie wirklich nachhaltig getroffen wurden? Dann überdenken Sie zumindest gut, ob Sie sich in dieser Sache auf einen Konsens einlassen könnten.

Kein Drahtseilakt, dennoch geht es um die Balance

Zum Glück ist es kein schwieriges Kunststück, unterschiedliche Positionen in Kompromisse zu fassen. Entscheidend ist sichere Balance zwischen Geben und Nehmen. Gibt einer der Partner deutlich öfter nach, entsteht Schieflage: Das Selbstwertgefühl des regelmäßig Zurücksteckenden leidet auf Dauer. Der sich immer wieder durchsetzende Part nimmt sich, bewusst oder unbewusst, zugleich immer mehr Freiheiten heraus. Um damit zunehmend die des Partners zu beschneiden, der ja allein stets, zu seinen Lasten, einlenkt.
Behalten Sie also unbedingt Ausgewogenheit im Blick. Besonders, wenn Sie der eher dominantere Part in der Beziehung sind. Zeigt sich Ihr Partner immer wieder Kompromissbereit, geben auch Sie einmal nach. Sie zeigen so, dass Sie seine Bedürfnisse ernst nehmen und Ihnen das Zusammenleben wirklich wichtig ist.

Kompromisse und Machtspiele passen nie zueinander

Kompromisse sind für wichtige Bereiche des Zusammenlebens da. Sie sind daher kein Forum für Machtspiele. Setzen Sie Ihren Partner niemals unter Druck, sich auf einen Konsens einzulassen. Sätze wie „Würdest du mich lieben/ läge dir etwas an der Beziehung/ würdest du …“, haben (ganz besonders) hier nichts verloren.
Etwas ist Ihnen wichtig, Ihr Partner ist anderer Ansicht, was Sie sehr aufbringt? Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Emotionen herunter zu fahren, bevor Sie gemeinsam eine künftige Lösung überlegen. Nur so entstandene Kompromisse haben Aussicht, auch gern eingegangen zu werden. Nicht mit Zähneknirschen.

Konsens schien gefunden, trotzdem gibt es jetzt lange Gesichter? Schauen Sie noch einmal genauer hin. Vielleicht wollten Sie einfach zu viel zu schnell.

Nicht alles auf einmal

Konsens war gefunden, irgendwie hält sich aber nur einer daran. Was für Entspannung sorgen sollte, führt so, ganz im Gegenteil, erst richtig für Zündstoff. Warum hat der Partner nicht „mitgezogen“?

Bedenken Sie, dass Gewohnheiten und Verhaltensmuster mitunter tief verwurzelt sind. Von heute auf morgen lassen sie sich kaum ändern. Auch bei noch so viel gutem und aufrichtigem Willen nicht. Nehmen Sie also Versäumnisse niemals persönlich.
Fällt es Ihnen schwer, getroffene Vereinbarungen einzuhalten? Lassen Sie Ihren Partner unbedingt wissen, dass keine Geringschätzung Grund ist, dass einige Dinge eben doch noch beim Alten geblieben sind.
Wichtig für beide: Zeigen Sie Ihren guten Willen, den Sie ja eingebracht haben. Überfordern Sie sich nicht mit der Erwartung, alles, vor allem aber alles sofort ändern zu können.
Halten Sie sich immer wieder vor Augen, warum Sie Ihren Partner lieben und in Ihrer Beziehung insgesamt die Harmonie klar vorherrscht. Das verhindert, dass Unstimmigkeit unnötig eskalieren.

Will geübt sein: Kritik üben und annehmen

Sie müssen Einigkeit in einer Sache erst finden? Oder Ihren Partner an getroffene Einigung leider noch einmal erinnern? Was auch immer ansteht: Üben Sie sich darin, Kritik zu üben.
Schweigen Sie nicht und warten darauf, dass der Partner doch von selbst etwas merken muss. Oder machen nur vage Andeutungen, die miss- oder gar nicht verstanden werden können.
So muss das sprichwörtliche Fass eines Tages überlaufen. Bricht aufgestauter Ärger dann unkontrolliert aus Ihnen heraus, ist die Chance konstruktiver Kritik ist dahin. Ihr Partner wird Sie als unmäßig und sogar persönlich angreifend empfinden. Dass er Ihr Anliegen so nicht verstehen kann und sogar will, ist leider völlig nachvollziehbar.

Sprechen Sie einen störenden Umstand also an, solange Sie es noch in angemessener und konstruktiver Weise können.
Für den Kritisierten: Bietet der Partner den Dialog an, sperren Sie sich nicht. Hören Sie die Kritikpunkte an, äußern Sie sich dazu. Tragen Sie aktiv Ihren Teil zur Kompromissfindung bei, die beide zufrieden stellt.

Wie Kompromisse die Unterschiede harmonisch verbinden im Überblick

1.    Sprechen Sie darüber, was kompromisstauglich wäre und was eben nicht.
2.    Kompromisse vermeiden keinen Streit. Aber der ist Bestandteil gesunder Beziehungen.
3.    Nicht jede Differenz verlangt einen Kompromiss. Manchmal müssen gezogene Grenzen gezogen bleiben.
4.    Geben und Nehmen in Balance. Kommen Sie sich möglichst gleichermaßen entgegen.
5.    Kompromisse sind kein Forum für Machtspiele. Sie kommen aus Freiwilligkeit, nicht aus Zwang.
6.    In keinem Bereich des Lebens ist ein „Alles auf einmal & sofort“ von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Das gilt auch für die Umsetzung von Absprachen.
7.    Warten Sie nicht auf zufällige Veränderung, wenn Sie etwas stört. Sprechen Sie die Umstände an, statt Frust aufzustauen, der eine gemeinsame Lösung unmöglich macht.


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