Der Idealpartner – tatsächlich zu perfekt, um wahr zu sein

Warum der Idealpartner einsam macht

Gesucht: der Idealpartner. Warum auch nicht? Sie haben schöne wie enttäuschende Erfahrungen in der Liebe gemacht und wissen somit genau, wie es – und wie es eben nicht – in der neuen Beziehung laufen muss. Deshalb muss, wer in das künftige Liebesleben treten soll, perfekt passen. Kompromisse sind beim anvisierten Idealpartner naturgemäß nicht nötig. Allerhöchstens in nur wirklich sehr kleinen Belangen.
Gerade in Zeiten des Online-Datings muss es doch möglich sein, diesen Idealpartner zu finden. Das perfekte Gegenstück aus dem Online-Singlekatalog, per Klick gefunden und zur Beziehung bestellt…

Auf der Jagd nach dem perfekten Partner geht vielen Suchenden die Fähigkeit schlicht verloren, die Liebe endlich auch zu finden. Und so wird der Single, was er niemals werden wollte: Dauer-Single.

Warum der Idealpartner einsam macht. Und warum nur glücklich werden kann, wer komplett von ihm lässt.

Ein wenig Idealpartner-Geschichte zu Anfang

Einen Idealpartner gibt eigentlich schon seit Menschengedenken. Bestimmte Grundzüge sind dabei über alle Zeiten hinweg recht gleich geblieben.
Grob zusammengefasst zeichnet sich der perfekte männliche Partner unverändert dadurch aus, dass er finanziell gut, zumindest solide, dasteht. Zielstrebig soll er sein, zuverlässig und treu zu Frau und Familie.
Die perfekte Idealpartnerin ist von je her eher bescheiden, ansehnlich, gern häuslich, fürsorglich und steht ebenfalls treu zu Mann und Familie.

Ergänzungen und Veränderungen nahmen der Lauf der Geschichte und entsprechender gesellschaftlicher Wandel vor. So spielen etwa Attraktivität, Freizeitinteressen und auch sexuelle Übereinstimmung heute zunehmend eine Rolle bei der (Ideal-) Partnerwahl.

Romantische Liebe für alle? Das ist recht neu

Die uns heute bekannte Definition vom Idealpartner, der außerdem auch die romantischen Gefühle anspricht, ist sehr jung. Erst vor gut 200 Jahren begann sich überhaupt durchzusetzen, dass auch Liebe bei der Partnerwahl bestimmend sein soll. Bis dahin wurden Hochzeiten recht zweckmäßig geschlossen. Es ging um gute Mitgift, Erhalt des Standes, gute Weiterführung des Erbes, Traditionspflege und so weiter.
Als Idealpartner galt damals, wer die an die Verbindung gestellten Ansprüche erfüllte. Liebe definierte sich nicht über ein romantisches Gefühl, sondern darüber, sich dem Partner loyal zu zeigen und seine mit der Ehe verknüpften Pflichten zu erfüllen.

Liebe, nach unserem heutigen Verständnis, war da nichts als eine schöne Beigabe. Den Idealpartner durch Liebe auszumachen, blieb etwas für Märchenprinzen und -Prinzessinnen. Romantische Liebe war im Allgemeinen ein Luxusgut, nur den Adligen vorbehalten. Sie konnten es sich wortwörtlich leisten, Ehe, Sicherheit und Stand mitunter auf so etwas Flüchtiges, einfach nicht Greifbares, wie Gefühle zu setzen.
Liebe also, wie wir sie heute verstehen, mochte schöner Stoff für Dichter und ein Vergnügen der Obrigen sein. Für den realen Alltag der einfachen bis gehobeneren Gesellschaft taugte sie nicht.

Ein romantisches Foto der Traumhochzeit – kaum vorstellbar, dass man dieser Tage ohne Liebe heiratet. So lange ist es aber noch gar nicht her, dass es vollkommen normal war, Ehen ganz pragmatisch zu schließen. Der Idealpartner bemaß sich an anderen Qualitäten.

Die Tücken eines selbstbestimmten Idealpartners

Fraglos ist eine wichtige Errungenschaft der modernen Gesellschaft und unbestreitbarer Gewinn an persönlicher Freiheit, selbst seine Partnerwahl treffen zu können. Aber wie alle Medaillen hat auch diese eine Rückseite. Individuelle Entscheidungsfreiheit bedeutet eben auch Qual der Wahl.  Wer seinen Idealpartner selbst bestimmen darf, verknüpft ihn schnell, je älter und erfahrener er wird, mit immer mehr unbedingt zu erfüllenden Erwartungen.
Vor- wie Nachteil ist auch der vergrößerte Suchradius. Heute, mit den Möglichkeiten die das Internet eröffnet, ist es leichter, sich in einen Single in beliebiger Ferne zu verlieben. Die Auswahl potentieller Partner ist in jeder Hinsicht grenzenlos geworden. Nur zu leicht fällt es da aber, sich auf den Idealpartner zu fixieren. Wer nicht voll zusagt, verschwindet mit einem Klick wieder im riesigen Single-Pool. Bei dessen Größe ist es nicht nötig, über etwas Störendes im Profil hinweg zu sehen. Wozu langwieriges Auseinandersetzen und näheres Kennenlernen? Immerhin klickt man doch irgendwann bestimmt den völlig makellosen Single …

Woher kommt der Perfektionsanspruch?

Das Bild vom Idealpartner wird tatsächlich auch von Bildern geprägt, die uns in Romanen wie Filmen begegnen. Und wer ist nicht mit Märchen aufgewachsen, in denen es ja nur die perfekte Liebe gibt? Stets ist der Zauber auf den ersten Blick da, die Verliebten harmonieren, Streitigkeiten werden ausschließlich von übel meinenden Außenstehenden provoziert. Am Ende geht immer alles gut, die Liebenden lieben sich weiter, die Geschichte ist zu Ende.
Wie dieses Paar aber seinen künftigen, gemeinsamen Alltag gestaltet, um aus Verliebtheit Liebe, eine gesunde Beziehung mit Verständnis und Vertrautheit werden zu lassen, erfährt der Leser/Zuschauer nie. Ihm bleibt das romantische Bild der hochschwirrenden Gefühle. All das, wofür Paare in der Realität Beziehungsarbeit leisten müssen, ist bei diesem wortwörtlichen „Traumpaar“ schon mit einem Schlag da.
Zu verführerisch, es auch genauso schon beim ersten Blick, beim ersten Date zu erwarten. Und zwar unbedingt!

Hollywood & Co. sind also Schuld an der Mär vom Idealpartner?

So einfach ist es nicht. Die schon erwähnten eigenen Erfahrungen nehmen noch immer den größten Einfluss darauf, ob sich Suchende erfolglos von Profil zu Profil klicken. Die vergangene Trennung war schmerzhaft? Die damalige Beziehung selbst bereits eine Belastung? Der (nun Ex-) Partner nahm sich zu viel heraus? Die eigenen Hobbys, Selbstverwirklichung, eigene Wünsche lagen völlig brach? Oder sitzen die schönen Erinnerungen tief und es soll wieder ganz genau so – und nicht anders – werden?
Es ist normal, belastende Dinge aus der Vergangenheit nicht wieder erleben, Fehler wiederholen zu wollen. Ebenso ist es nur menschlich, will man lieb gewonnene Momente zurückholen, ja regelrecht konservieren. Je länger Singles (unfreiwillig) Single bleiben, desto mehr Einfluss nehmen diese Erinnerungen. Immerhin waren sie die letzte Partnerschaftserfahrung. Und schon entstehen, ganz unbewusst, echte Bindungsängste.

Diese Bindungsängste lassen als Lösung, um nicht wieder so enttäuscht zu werden, den Idealpartner entstehen. Der wird mit immer mehr Eigenschaften ausgestattet, die unverzichtbar sein sollen. Bis schon Marginalitäten ausreichen, einen entdeckten Single gleich wieder beiseite zu klicken. Er könnte unliebsame Eigenschaften haben. Oder besteht den Idealpartner-Abgleich nicht, weil er nicht dieselben schönen Momente breiten kann, deren Wiederholung so sehr erwünscht sind.
So werden Partnerbild und erstrebte Beziehungsführung immer detailreicher aus Wünschen konstruiert – bis beides so schlicht nicht möglich ist.

Was für ein schönes Date! Aber ist das der/die Richtige? Kommt nicht jemand noch passenderes? Eben die absolut perfekte Partie? Sich weiter an das Ideal zu klammern, macht nicht glücklich. Nur allein.

Wenn alle nur Perfektion suchen, bleiben alle nur allein

Es ist so plump wie wahr, Perfektion gibt es einfach nicht. Den Anspruch jedoch haben viele, erfüllen kann ihn aber keiner. Das bringt in eine denkbar schwierige Situation, da jeder seine Macken und Eigenheiten mitbringt, für die er vom Anderen Verständnis erwartet. Selbst nicht perfekt, gilt die Suche dem, der es ist. Ohne Kompromisse, ohne jedes Einlenken.
Es liegt auf der Hand, was passiert, wenn alle nur das Perfekte suchen: alle bleiben allein.

Warum es den perfekten Partner allein per Definition nicht geben kann

Real geworden wäre der Idealpartner ein langweiliges Wesen. Schließlich stimmt er mit allem überein, bietet keine Bereicherung, keine Notwendigkeit, eigene Ansichten zu beleuchten und daran zu wachsen. Den Reiz des Neuen und immer ein bisschen Unerwarteten, der einer Beziehung erst Leben einhaucht, wird es nie geben.
Der Idealpartner hat keine Mängel oder Macken. Wie traurig sich der Andere vorkommen muss, dem seine Fehler dagegen stets nachgesehen werden müssen.

Der perfekte Partner wäre zu perfekt für die Liebe – und schon ist er eben nicht mehr perfekt.

Was also tun?

Unterscheiden Sie den perfekten Partner vom richtigen

Der Idealpartner wird vornehmlich aus den genau gegenteiligen Eigenschaften geformt, die ein Mensch nicht haben sollte. Über diese negativen Attribute herrscht völlige Klarheit. Was dagegen konkret aber die positiven wären, darüber gibt es zumindest Lücken. Und die machen blind für eben den richtigen Partner, den es, im Gegensatz zum Idealpartner, tatsächlich gibt.

Prüfen Sie genau, welche wesentlichen Züge ein Single haben sollte, um Ihr Herz zu gewinnen. Machen Sie sich dabei bewusst, wie Ihre Lebensziele aussehen. Wollen Sie Kinder, Ihre Karriere verfolgen oder auswandern? Haben Sie einfach lebensverändernde Dinge anvisiert, die Sie verwirklichen wollen und die ein Partner bereit sein muss, mitzutragen?
Welche Werte halten Sie hoch, die auch bei Ihrem Partner Beachtung finden müssen?

Finden Sie heraus, in welchen Belangen Sie flexibel sind

Es darf also durchaus feste Bedingungen geben, die das Fundament bilden, auf dem Ihre Partnersuche, und letztlich das Partnerfinden, steht. Wahres Lebensglück misst sich an mehr als daran, auch die Liebe gefunden zu haben. Ihr müssen erfüllende Ziele und wirklich hohe persönliche Werte nicht weichen.

Schauen Sie nun, in welchen Bereichen Sie aber flexibel sind. Von welchen Plänen könnten Sie auch lassen? Würden Sie z.B. Ihren Wohnort für den Partner wechseln? Muss ein Single immer unbedingt Ihrem bevorzugten Typ entsprechen, um für Sie attraktiv zu sein, usw.?

So viele unterschiedliche Charaktere und Typen … Ein Jammer, sie zu verpassen, weil es eben unbedingt der Idealpartner sein muss. Den lernen Sie ohnehin niemals kennen. Ein echtes Individuum, das Ihr Leben wirklich bereichert, allerdings schon.

Erinnern Sie sich daran, wie sehr Ecken und Kanten bereichern

Ecken, Kanten, Ticks, Macken und Mängel machen erst zu einem Individuum und einem Menschen mit Lebenserfahrung und Tiefe. Nur solche Persönlichkeiten, die sich immer weiter entwickeln und den Partner dazu einladen, können erst liebenswert sein.
Momente, in denen SIE etwa über seinen furchtbar hässlichen Lieblingspulli oder ER über ihre Leidenschaft für besonders kitschige Porzellanfigürchen liebevoll schmunzelt, sind die Momente, die die Liebe bereichern. Und Vertrautheit wie Harmonie erst in einer Beziehung wachsen lassen.

Weg vom Ideal- heißt hin zum Lebenspartner

Das Bild vom Idealpartner hält einsam. Die Illusion vom perfekten Partner verhindert jedes mal, dass Sie Entscheidungen treffen. Immerhin könnten die sich als falsch herausstellen und Ihr wahrer Seelenverwandter wartet vergeblich  irgendwo dort draußen …
Übernehmen Sie wieder die Regie, treffen Sie Entscheidungen, entscheiden Sie sich für einen Single, wenn Ihr Gefühl gut ist. Hinterfragen Sie, was Sie vielleicht noch an diesem Menschen stört. Disqualifiziert ihn das wirklich als potentiellen Partner?
Wenn aus Ihnen beiden mehr werden darf, brechen Sie die Singlesuche ab. Schenken Sie die frei gewordene Zeit und Energie jetzt dem, was da entstehen kann.
Entscheiden Sie sich für diesen einen Menschen, mit allen Konsequenzen. Eine davon ist nämlich sicher: Liebe.

Im Überblick: Vom Ideal- zum Realpartner

1. In früheren Zeiten führte das Idealpartner-Bild zwar zur Ehe, bestimmt wurde das aber von der Familie.
2. Große Auswahl suggeriert große Chancen auf den Idealpartner – und die Suche nimmt kein Ende mehr.
3. Filme, Geschichten, eigene Erfahrungen … Der Idealpartner wird nicht von Realität geformt, sondern überidealisierten Bildern und zu verklärten wie zu unangenehmen Erinnerungen. 
4. Perfektion gibt es nicht. Wenn dennoch alle danach suchen, bleiben alle allein.
5. Verabschieden Sie sich vom Idealpartner. Unterscheiden und finden Sie damit den richtigen Partner.

 


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