Der Idealpartner – einfach zu perfekt für die Liebe

Der perfekte Partner – Zu perfekt, um wahr zu sein

Der Idealpartner lässt sich immer ungefähr gleich skizzieren. Er soll unbedingt gutaussehend sein. Gern ein bisschen neiderregend bei anderen. Bei aller Attraktivität dennoch absolut uneitel. Treu muss er selbstverständlich sein und möglichst viele Gemeinsamkeiten mitbringen. Hobbies, Vorlieben, am besten ist alles deckungsgleich. Egal was, der Idealpartner bestätigt und teilt alles gern. Er ist immer optimistisch, aufbauend, liebevoll und mehr als aufmerksam. Er liest eigentlich jeden Wunsch sofort von den Augen ab. Erotische Zusammenkünfte sind immer leidenschaftlich und erfüllend.
Wie schön wäre es, endlich genau dem Menschen zu begegnen, der alle diese Träume erfüllen, alle Sehnsüchte stillen kann. Es muss doch möglich sein, ihn zu finden, den Idealpartner.

Besonders beim schier grenzenlosen Online Dating-Angebot stehen die Chancen darauf besser den je. Wenn dieses Date schön war, sich dieses Profil gut liest, aber eben noch nicht perfekt, was macht es? Mr./Mrs. Right ist ja vielleicht nur ein paar weitere Klicks entfernt …

Je mehr das Bild vom der perfekten Partie lockt, desto weniger Chance besteht, aus der der Partnersuche auch ein Partner-Finden zu machen. Zurück bleibt nur ein unglücklicher Single, dem nichts anderes bleibt, als weiter zu suchen. Und weiter … und weiter …

Warum also die Idee vom Idealpartner dem Glück so empfindlich im Weg steht. Und es dem Liebesglück sehr gut tut, vom Wunsch nach Perfektion einfach ganz abzulassen.

Ein wenig Liebes-Geschichte zu Anfang

Die uns bekannte Definition vom Idealpartner ist sehr jung. Erst vor gut 200 Jahren begann sich die Idee von der romantischen Liebe durchzusetzen, die bei der Partnerwahl bestimmend ist. Bis dahin wurden Männer und Frauen einander versprochen, Hochzeiten wurden zweckmäßig geschlossen. Es ging um gute Mitgift, Erhalten des Standes, gute Weiterführung des Erbes, Traditionspflege. Als Idealpartner galt damals, wer die an die Verbindung gestellten Ansprüche erfüllte. Liebe definierte sich nicht über ein romantisches Gefühl, sondern darüber, sich dem Partner loyal zu zeigen und seine mit der Ehe verknüpften Pflichten zu erfüllen.
Liebe, wie sie nach unserem heutigen Werteverständnis zu Bindung führen sollte, war eine schöne Beigabe. Erforderlich aber keineswegs. Ganz im Gegenteil hätte es die Menschen dieser Zeiten sehr befremdet, Ehe, Sicherheit und Stand auf so etwas Flüchtiges, einfach nicht Greifbares, wie Gefühle zu setzen. Das mochte schöner Stoff für Dichter sein. Für den realen Alltag taugte es nicht.

Gut, dass sich das geändert hat. Die eigene Auswahl des Lebensgefährten war ein unbestreitbarer Gewinn an persönlicher Freiheit. Aber wie alle Medaillen hat auch diese eine Rückseite. Der Beginn individueller Entscheidungsfreiheit ist auch Beginn der Qual der Wahl.  Wer ohne gesellschaftliches und familiäres Korsett seinen Idealpartner selbst bestimmen darf, malt sich den natürlich in den leuchtensten Farben. Das ist in Ordnung. Leider aber entstehen dabei schon mal Farbkombinationen, die außerhalb der Fantasie nicht möglich sind. Und schon wird aus dem schönen Traum- ein unschönes Trugbild, dem keine noch so tolle Bekanntschaft entsprechen kann.

Was heißt das eigentlich, „Idealpartner“?

Wie oben erwähnt, lässt sich der Idealpartner in den Grundeigenschaften immer zumindest ungefähr gleich definieren. Und auch wieder nicht. Welche Attribute etwa zu „liebevoll“ zählen, darüber lässt sich recht leicht eine gemeinsame Meinung finden. Was aber nur „gutaussehend“ heißt, darüber gehen die Ansichten schnell auseinander.
Nicht nur, dass die Wünsche an den Idealpartner bei jedem anders sind. Sie verändern sich auch im Laufe der Jahre und mit den gemachten Erfahrungen. Was einem Menschen vor vielleicht zehn Jahren als Idealpartner schien, entspricht jetzt vielleicht nicht mehr dem Wunschbild. Oder nur noch in groben Zügen. Die Bedürfnisse und Wertungen haben sich geändert. Das Bild vom Idealpartner wandelt sich. Was ideal ist, definiert sich für jeden im Laufe seines Lebens immer wieder neu.

Die Liebe selbst kennt keine Ideale

Der Idealpartner ist also ein überraschend wandelbares Wesen. Aber dann ist es doch gut. Wenn er immer wieder anders aussieht und andere Charakterzüge trägt, müsste es möglich sein, einen Menschen zu finden, der genau dazu passt. Am Bild vom Idealpartner kann man damit getrost festhalten.

Leider sieht es anders aus. Von einem, und sei es nur für geraume Zeit, fixierten Idealbild zu einem anderen zu wechseln, hat nichts mit Offenheit bei der Partnersuche zu tun. Aber gerade Offenheit braucht es unbedingt, damit die Liebe ihre Chance hat. Denn Lieben heißt ankommen, nicht, sich rastlos weiter umzuschauen. Wer am Idealpartner festhält, wird sie immer sehen, die scheinbar besseren Partien. Immer wieder wird ihn die Frage umtreiben, ob sich das, was zu 90 Prozent passt,  gegen das 100-prozentige tauschen lässt. Geht das denn nicht doch noch? Dieses eine Fünkchen mehr Aufmerksamkeit ist doch sicher drin. Das noch Mehr an Attraktivität. Mehr Prickeln, noch mehr Gemeinsamkeiten …

Sie merken es: da ist viel Drängen und große Unruhe. Genau das, was zu Unzufriedenheit mit dem Gewonnenen führt. Keine Basis, auf der Liebe stehen, geschweige denn wachsen kann.

Wer dort heraus will, muss sich darüber klar sein, dass das Ideal ideal ist, weil es nicht da ist. Es ist eine Vorstellung, eine Idee. Mitunter eine launische Idee, die sich der Stimmung oder gerade gemachten Erfahrung fast augenblicklich beugt.
Mehr als eine grobe Richtlinie zum neuen Partner kann das Ideal daher nicht sein.  Wer das beherzigt, bringt Ruhe und Souveränität in seine Suche. Das erleichtert nicht nur sofort das Finden. Es macht auch erst möglich, die neue Bindung richtig zu vertiefen, zu genießen und zu wertschätzen. Zu verstohlenem Schauen, was es sonst noch geben könnte und ob nicht irgendwo nicht noch größeres Glück wartet, kommt es dann gar nicht erst. Richtigerweise. Das Glück ist nämlich da.

Was für ein schönes Date! Aber ist das der/die Richtige? Kommt nicht noch jemand noch passenderes? Eben die perfekte Partie? Wer sich zu sehr an ein Ideal klammert, verstellt der Liebe leider völlig den Weg.

„Passt perfekt“ heißt nicht „deckungsgleich“

Gern dem Idealpartner ebenfalls zugeordnet: völlige Übereinstimmung bei Interessen, Vorlieben, Gedanken. Dass der Partner mit dem einen oder anderen Hobby wohlmöglich eher wenig anfangen kann, darf nicht sein. Und kann mitunter zum Ausschlusskriterium bei der Partnersuche werden.

Viele Paarstudien belegen aber immer wieder, dass „perfekt passend“ nicht bedeutet, in allem gleich zu sein. Natürlich sollten wesentliche Grundwerte übereinstimmen. Das wären z.B. Ansichten zu Treue oder dem Planen wie Nichtplanen von Nachwuchs. Die kleineren, Charakter bestimmenden und den gemeinsamen Alltag prägenden Dinge, dürfen aber durchaus unterschiedlich sein. Erfahrene Paare wissen, es ist das Anderssein, das reizt, anzieht – und tatsächlich verbindet.
Wenn sich also überhaupt die Frage nach dem Idealpartner stellt, bedeutet das nichts anderes, als dass der auch andere Ansichten mitbringen muss. Davon lebt eine Bindung wirklich: sich zu ergänzen statt ganz eins sein. Mit- und voneinander Neues zu entdecken, auch mal zu staunen statt immer zu wissen. Und eine Beziehung wächst erst richtig daran, einander zu akzeptieren.

Bester Test, ob es passt: Alltag

Wie gut zwei Menschen tatsächlich zueinander passen, zeigt sich nicht am Erfüllen möglichst vieler Eigenschaften, die dem Idealpartner zugeschrieben werden. Es zeigt sich, ganz praktisch, am zusammen gelebten Alltag. Wie geht man mit den kleinen Macken und Eigenheiten um, die ein jeder mitbringt? Wie viel Freiraum können beide einander gewähren? Kann man auch nach einem stressigen und ärgerlichen Tag noch entspannt zusammenfinden? Welche liebgewonnene Gewohnheit kann dem Partner zuliebe abgelegt werden? Gibt es Lösungen bei Konflikten?

Der Anspruch, ineinander einen ständig sprudelnden Glücksquell zu finden, ist eine Fantasie der perfekten Partnerschaft. Die zeigt sich nur wirklich in gefundenen Kompromissen und gemeinsamen Problemlösungen.

Sie kennen sicher den Spruch, dass kein Mensch eine Insel ist. Für die Partnerschaft bedeutet das, dass keiner allein für sich ideal ist. Sondern nur als bewegliches Wir. Das wirklich perfekte Paar be- und übersteht die kleinen und großen Prüfungen des Lebens zu zweit. Das Fundament wird breiter, die Nähe größer, das Wir-Gefühl tiefer. Alles, was man(n) und frau dazu braucht ist Zeit, Zuneigung und Geduld.

Abschließend: Ehrlichkeit verscheucht das Trugbild vom Idealpartner

Der Partner, der auch auf Dauer wunschlos glücklich macht … Das gibt es einfach nicht. Dafür gibt es aber sehr viele Menschen, mit denen sich sehr gut leben lässt. Und mitunter sogar noch besser lieben. Überlegen Sie daher, was Sie realistisch von einer Partnerschaft erwarten. Was ist für Sie verhandelbar? Was dagegen machen Sie wirklich zu einer Bedingung? Und vor allem: Welche Eigenheiten haben Sie selbst? Könnten Sie die Ansprüche, die Sie an den potentiellen Partner haben, auch selbst erfüllen? Würden Sie sich verändern? Oder wären Sie nicht wesentlich glücklicher, auch mit den kleinen Schrullen geliebt zu werden? Kein Gängeln, kein Umerziehen. Sie werden geliebt, weil für diesen Menschen Ihre Vorzüge alle Macken bei Weitem überstrahlen.

Bleiben Sie ehrlich mit sich, wenn Sie das Bild des Idealpartners wieder verlocken will. Der ehrliche Blick auf die eigenen Schwächen ist der beste Schutz vor übermenschlichen Erwartungen. Offenheit, Neugierde und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, sind die sichersten Wegbereiter für die Liebe. Sie werden es herausfinden.

Die Gedanken zum Idealpartner im Überblick

1. Früher war nicht alles besser: was ein Idealpartner war, bestimmte die Gesellschaft.
2. Das Bild vom Idealpartner ist veränderlich. Zu veränderlich für die Partnersuche.
3. Wer ständig mit dem Idealbild abgleicht, kommt nie zur inneren Ruhe. Die es aber für die Liebe braucht.
4. Gerade die Unterschiede können wertvollste Ergänzungen für die Beziehung sein. 
5. Liebe bewährt sich nicht an den Höhepunkten, sondern dem real gelebten gemeinsamen Leben.
6. Lassen Sie sich um Ihrer selbst Willen lieben – lieben Sie jemanden um seiner selbst Willen.



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