Liebe meines Lebens

Die Liebe meines Lebens

Von Regina Swoboda

„Sie war die Liebe meines Lebens…“ sagte ein guter Freund von mir, der vor kurzem 18 geworden ist und sah dabei unwirklich alt und unglaublich traurig aus… Als mütterliche Freundin war mir also die meist undankbare Rolle der Trösterin zugefallen. Wie sollte ich ihm nun erklären, dass „die Zeit alle Wunde heilt“? Jeder von uns hat diesen alten und durchaus wahren Satz schon zu allen (un-)möglichen Gelegenheiten gehört – ohne dass diese Weisheit jemals auch nur den geringsten Tröstfaktor enthalten hätte. Wie sollte ich einem jungen Menschen klar machen, dass es ziemlich sicher noch mehr „Lieben seines Lebens“ geben wird, ohne dass er denkt, er und sein Schmerz würden nicht ernst genommen.

Auch wenn jeder von uns das Gefühl einer verlorenen Liebe kennt, kann fast niemand einen anderen in so einer Lage trösten. Tatsächlich soll es Menschen geben, die an einem gebrochenen Herzen gestorben sind.

Das wirft für mich die Frage auf – woher kommt die Liebe? Wie fängt sie an, wie hört sie auf? Wenn ein geliebter Mensch mit uns Schluss macht, ist ja immer noch „Liebe“ beim Verlassenen da.  Diese Gefühle lassen dann irgendwann nach. Sie wären geblieben, hätte der andere keinen Schlussstrich gezogen. Ich denke, Liebe muss „gefüttert“ werden. Kriegen wir keinen „Input“ schrumpft die Liebe. Wir brauchen Gesten, Blicke, den Austausch bei Gesprächen und Zärtlichkeiten, ein Zwinkern, ein Lächeln, ein Umarmen. So bleibt die Liebe erhalten. Nimmt man ihr dieses Nähren wird sie verkümmern (Achtung – das gilt nicht für Stalker! Das ist eine Krankheit und hat nichts mit lieben zu tun).
Manche Paar ignorieren dieses Bedürfnis und das Erstaunen ist gar groß, wenn dann einer/eine aus der Beziehung ausbricht und der/die andere ratlos, wütend und traurig zurückbleibt.

Eine Partnerschaft sollte Spaß machen und auf den drei Säulen Respekt, Freundschaft und Vertrauen basieren. Wer an einer Beziehung „arbeitet“ wird selten für die Mühe belohnt. Häufiger endet es mit zusammengebissenen Kiefern und der totalen Unsicherheit „wo hört die Kompromissbereitschaft auf und wo fängt die Selbstaufgabe an?“. Die Chinesen haben viele interessante Weisheiten- eine davon lautet sinngemäß, dass nur der Vogel zu uns zurückkehren kann, den wir aus dem Käfig lassen – denn keiner liebt seinen Gefängniswärter…

Liebe hat ein sehr unterschiedliches Haltbarkeitsdatum und hält sich an keine klaren Regeln, wann sie uns erwischt. Oft dann, wenn wir so gar nicht damit rechnen. Sehr selten, wenn wir verkrampft danach suchen. Und so gut wie gar nicht wenn wir unser Elend beklagen und jammernd in unserem Kämmerlein sitzen.

Ja, die Liebe geht manchmal. Und das tut furchtbar weh. Und dann müssen wir auch mal jammern dürfen. Und darauf hoffen, dass eine neue Liebe kommt und uns findet. Übrigens kommt sie keinesfalls durch geschlossen Türen , Fenster und Herzen.

Ihre Regina Swoboda


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