Kolumne: Vermittlung bitte!

Vermittlung bitte!

von Felix Hartmann

Ich mag Frauen. Vor allem eine. Ich mag auch ihre und meine Freundinnen. Marketing, Medizin und was mit Medien. Schnörkelloser Werdegang, Altersvorsorge wasserdicht, Immobilie solide finanziert. Oder geerbt. Selbstversorgende Selbstverwirklicherinnen Ende Dreißig. Mit einer Abweichung vom Plan: Etliche sind Singles. Seit Jahren und, bis auf kurze Episoden, schwer vermittelbar. Es scheint jedenfalls so. Dabei wollen sie eins richtig gern, wenn man sie fragt: Sich verlieben. Sich mal wieder morgens ums Waschbecken und abends um die Fernbedienung kabbeln. Im Internet-Zeitalter sollte die Suche nach dem Nahkampfpartner doch easy sein. Bloß ein paar Kleinigkeiten müsste er haben und können und machen:

Bitte nicht unter 1,80

In die Endauswahl käme einer ohne traumatische Altlasten. Treu, aber nicht treuherzig. Mit Blend-a-med-Lächeln und Bierwerbespotstimme. Mit Schwimmerkreuz, aber ohne Popeye-Bizeps. Der Typ Surfer, der auch im Anzug einen geschmeidigen Auftritt hinlegt. Ein ganzer Kerl mit Pfirsichhaut und Pianistenpfoten. Clooney mit einem Schuss Willis und einem Hauch Jauch. Männlich, aber nicht zu männlich. Einer, der auch während der Dessous-Werbung nur Augen für seinen Augapfel hat. Der ohne Wenn und Aber liebt. Der smart ist. Und unkompliziert. Und witzig. Der druckreife Geschichten erzählt und einfühlsam zuhört. Der sich morgens schon freut, abends zu hören, wie der Tag war und der ehrlich wissen will, wie’s der Kollegin geht, die neulich die dritte Tochter bekommen hat. Einer, der blind zwischen Mund halten und aufmachen balanciert. Der in allen Dingsbumsfragen Geschmack hat. Der jeden Shopping-Marathon mitläuft und im Endspurt souverän zwischen flaschen- und patinagrüner Tasche entscheidet. Der weiß, wie der Ein-, Zwei- oder Dreiohrhase läuft. Der genau weiß, wo er sein Kreuzchen macht. Und warum. Und der die Finanzkrise so erklärt, dass man gleich in Berlin anrufen und Bescheid sagen will, wie’s geht. Einer mit dem Blick für das, was gemacht werden muss. Einer, der anpackt. Der tapeziert, Dielen schleift, Regale andübelt und ohne Kurzschluss das Wohnzimmer ausleuchtet. Der Auto, Waschmaschine und Rechner wieder zum Laufen und den Müll rausbringt und, weil er gerade draußen ist, noch die Lieblingsblumen und das Lieblingsmagazin besorgt. Der am Samstag mit auf den Markt statt mit den Jungs ins Stadion geht und der dann kocht. Exotisch. Zitronengras, Koriander, so was in der Art. Einer, der Türen aufhält, in Mäntel hilft und Deckel bezahlt. Ohne Gönnergeste. Ein Tausendsassa ohne Tamtam. Einer, mit dem sie die Welt erobern will. Und der das auch mit ihr will. Nur mit ihr. Nicht vom Sofa aus, sondern live und egal, ob mit Rucksack oder Luxus-Laken im Rücken. Einer, der den Bauch warm, die Hände klamm und die Augen feucht macht, wenn sie sich IHN mit Kind auf den Schultern vorstellt. Dessen Erfüllung es ist, dafür ein Nest zu bauen. Nach der Hochzeit im Schloss. Einen zum Anschauen und Aufschauen. Und einer, der bitte auch mal Single ist!

Aber bitte auf Augenhöhe

Nur mal so: Dass die Anlehnschulter nicht geliefert wird – liegt’s vielleicht an der Sonderausstattung? (Ein Extra fehlt? Einfach unten ergänzen.) Immer wieder zeigt sich: Das Suchen hat irgendwann ein Ende, wenn man die Erwartungshandbremse löst und locker spazieren fährt. Frau muss ja nicht gleich jede Probefahrt mitmachen, um zu sehen, ob da einer ausreichend PS auf die Straße bringt. Aber die Marke mal wechseln, das öffnet neue Horizonte. Und ab und an kommt frau dann mit einem Modell nach Hause, das sie gar nicht auf dem Zettel hatte. Klingt nach Wunschfabrik, gibt’s aber.

Bevor Empörung ausbricht: Natürlich haben Männer auch Traumbilder. Und natürlich hängen die auch mal schief. Der Mensch ist vielgesichtig. Ein Wunder wäre, wäre da jemand von A bis Z zum Niederknien. Und jeden Morgen ist das gleich niemand. Außerdem ist Reibung der beste Schutz vorm Unterkühlen. Glück? Das ist, mehr Gesichter zu lieben als zu verwünschen. Und mehr harmonische als chaotische Stunden aufs Erinnerungssparbuch einzuzahlen. Mal alle Scheu und Scheuklappen ablegen und durchstarten. Das wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Felix Hartmann


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