Kolumne Valentinstag

Der überschätzte Feiertag – Valentinstag

von Andrea Wistuba

Mitten im deutschen Winter, zwischen Schneegestöber und der Sehnsucht nach den ersten frühlingshaften Sonnentagen, versuchen einheimische Blumengeschäfte einen wieder einmal daran zu erinnern, auf welcher Seite des Lebens man gerade steht: 14. Februar, Valentinstag! Oh Graus! Das Geschäft der Floristen, sprunghaft steigende Rosenpreise, ein Tamtam aus Geschenken, Aufmerksamkeiten, Essenseinladungen und erwarteten Liebesbekundungen! Nun ist es also wieder soweit.

Einmal in meinem Leben habe ich den Valentinstag wirklich genossen. Ob das am Mann oder an der Jahreszahl, am Wetter, an der Situation oder an was weiß ich lag… schwer zu ermitteln. Jedenfalls fiel meinem Partner und mir erst am Abend des 13. Februar ein, dass der Tag der Liebenden nahte. Wir entschlossen, spontan in unserem Lieblingscafé brunchen zu gehen. Es war das Café, in dem wir uns einst zu unserem ersten Date trafen. Es war sage und schreibe derselbe Tisch, an dem wir saßen. Dasselbe Frühstücksmenü, das wir bestellten. Kurzum: Es war perfekt. Romantik pur. Unsere Spontanität ein seltener Glücksgriff, schaue ich mir meine Valentinstags-Historie an. Denn meistens lief es ganz anders.

Frisch verliebten Leute – zugegebermaßen meist Frauen – gehen grundsätzlich anders ans Werk: Sie reservieren schon Wochen vorher einen Tisch im Lieblingsrestaurant, um mit ihrem Liebsten den Tag der Liebenden angemessen zu begehen. Sicher ist sicher. Wenn ich ehrlich bin, zählte ich in den vergangenen Jahren auch zu diesen Wahnsinnigen – Nachahmung ausdrücklich nicht empfohlen!

Geplanter Sex ist selten ein Kracher, geplante Liebe schlichtweg ein Desaster. Jeder Single ist zu beneiden, der dieses aufgesetzte Valentinstagstreiben aus sicherer Entfernung und mit umso mehr Ironie betrachten kann. Es gab da beispielsweise diese Begebenheit mit meinem damaligen Partner.  Wir saßen in einem relativ angesagten Hamburger Restaurant, das an diesem Abend, wie nicht anders zu erwarten, hoffnungslos überfüllt war. Wir stocherten auf unserem lieblos zubereiteten Tellern herum, umgeben von einem Geräuschpegel wie in der Bahnhofshalle zur Wochenendpendlerzeit und waren dermaßen bemüht, uns eine romantisch-verliebte Stimmung einzureden, dass es schon ans Groteske grenzte. Gute Gespräche? Kribbeln in der Luft? Lust auf Sex? Fehlanzeige. An diesem Abend wollte jeder nur schnell in seine eigene Wohnung, Verliebtheit und Valentins-Bräuche ganz schnell vergessen.

Ich rate Ihnen also: Daten Sie fleißig, aber bitte nicht am Valentinstag! Ersparen Sie sich Erwartungen, die ohnehin kein Mensch erfüllen kann! Liebe ist wunderschön, aber diese Verliebtsheits-Blase, die am 14. Februar aufgestellt wird, bereitet nichts als Stress, dem man sich freiwillig aussetzt. Wenn sich gerade etwas anbahnt, ein Online-Flirt in Richtung reales Treffen geht, tun Sie sich einen großen Gefallen damit, entspannt zu bleiben und den 14. Februar erst einmal souverän zu umschiffen. Terminieren Sie Ihr Date am 13. oder gerne auch am 15.. Noch besser, Sie verlegen es auf das folgende Wochenende, wenn wieder völlige Normalität eingekehrt ist. Leben Sie den 14. Februar, als wäre es ein Tag, an dem Sie endlich mal an sich denken: Im Job mit neuen Ideen punkten zum Beispiel. Oder zum Sport gehen: Montags kommen statistisch gesehen sowieso die meisten ins Fitnessstudio und das dürften am Valentinstags naturgemäß dann auch mehrheitlich Singles sein. Oder eben abgeklärte verpartnerte Zeitgenossen – für den Fall, dass wir uns zwischen Laufband und Rudermaschine begegnen. Oder Sie machen es gleich wie die Finnen: Dort wird der Valentinstag als Freundschaftstag begangen. Man überbringt Menschen, die man gerne hat, kleine Präsente. Einfach so. Ohne überzogene Erwartungen, ohne Stress, ohne Verliebtheitswahn. Die Liebe kommt. Nur nicht auf Termindruck, den Blumenhändler einem vorschreiben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen flirtstarken Februar!

Ihre Andrea Wistuba


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