Kolumne Hobbies

Von Hobbys und anderen Mätzchen

von Andrea Wistuba

In seiner Freizeit sollte man das tun, was man mag. Hobbys nachgehen zum Beispiel. Dafür braucht es Leidenschaft, aber nicht unbedingt den Partner. Mein Freund ist weltoffen, hat einen tollen Job, ist immer in Bewegung, von lässig bis elegant, geht zweimal die Woche ins Fitnessstudio, um in Form zu bleiben und ist soweit ein toller Typ. Allerdings einer mit ausgeprägter Macke: Er sammelt. Spielzeugautos. Ohne Worte! Mein Ex sammelte auch: Spielkarten. Star Wars-Figuren. Und er spielte World of Warcraft – in jeder Sekunde seiner Freizeit. Das kann und muss eine Frau nicht verstehen!

Beide jedoch besaßen die Güte, nicht gleich zu Beginn unseres Kennenlernens mit den obskuren Interessen herauszuplatzen. Der Hamburger Mietspiegel in Citynähe lässt für junge Paare in der Regel nur überschaubare Wohnungsgrößen zu. Ein Glück! So bekam ich kaum mit, was sich in den unzähligen Umzugskartons im Keller befand: Modellautos. Spielkarten. Star Wars Figuren… Es dauerte rund zwei Jahre bis ich dem Ausmaß ihrer Hobbys auf die Schliche kam. Zwei Jahre, in denen erst einmal die Liebe wachsen konnte, ehe die unvermeidliche Bleispur der Wahrheit durch die rosaroten Wolken zog. Ein intelligenter Feldzug meiner Männer, mir ihre Hobbys häppchenweise zu präsentieren!

Andererseits kommt die direkte Frage nach den Hobbys und Interessen meist sehr früh beim Kennenlernen. Erst recht beim Online-Flirten. Was also tun? Nicht lügen, nein, das käme ganz schlecht, aber intelligent formulieren, das geht, um nicht von vornherein ein imaginäres „Stop!“-Schild aufzustellen. „Sammeln“ als Hobby kommt generell schlecht an, denn da ahnen wir Frauen bereits, was uns bevorsteht: Verstaubte Hobbykeller, Rückzugsverhalten am Wochenende, Pedanterie… nein, bitte nicht! Schreiben Sie, sofern Sie nach meinem Freund mit der Modellauto-Leidenschaft kommen, lieber „Autos“ als Interesse. Da können wir Damen immerhin noch davon träumen, mit Ihnen mit dem schicken Cabrio durch Hamburg, München oder Berlin zu cruisen. Und es klingt verdammt männlich. Dass es noch etwas dauern wird, neben dem Matchbox-Modell auf den echten Boxter zu sparen, werden wir Ihnen nachsehen. Für die Computerspielfraktion gilt: „Strategien entwickeln“ macht Sie interessanter als die No-Gos „Computer“, „PC“ oder „Onlinespiele“. Wer weiß, welche guten Strategien bei Ihnen sonst noch zum Tragen kommen…?

Nun wäre die Auflistung natürlich unvollständig, wenn wir Frauen mit unseren kleinen Hobby-Macken gänzlich ungeschoren davonkämen: „Shoppen“ ist zwar gesellig, aber lässt Männer unwillkürlich zusammenzucken und Beklemmung um den Zustand ihrer Kreditkarte spüren. Zudem wirkt „Shoppen“ unweigerlich tussihaft, als würden wir jedem noch so neuen Trend förmlich hinterherjagen. „Freunde treffen“ kommt gleich positiver: unternehmungslustig, spontan, entspannt. Dass wir mit unseren Freundinnen, wenn wir sie treffen, gerne auch shoppen gehen, ist dabei zweitrangig, das wird er im Laufe der Zeit erst feststellen und bis dahin kann die Liebe ja wie gesagt in Ruhe wachsen. Ähnlich beim Sammeln auf weibliche Art: Schuhe und Handtaschen sage ich nur. Prahlen kann man damit bei seinen Freundinnen, aber nicht beim Partner. Getrennte Kleiderschränke, die ultimative Lösung für die Undercover-Einkaufsbeute.

„Reisen“ ist dagegen immer ein Volltreffer, für Männer, für Frauen, für Junge und Alte. Denn kein anderes Hobby signalisiert mehr Weltoffenheit, Neugierde, Abenteuer und Flexibilität. Egal, ob es mit dem Rucksack durch die Tundra geht oder mit dem Samsonite ins Luxusresort – Reisen bildet und macht Spaß – was will man mehr? Manchmal tarnt sich das eine oder andere Hobby auch unter dem Deckmantel eines anderen: Dass sich in unserem letzten Urlaub, es ging für vierzehn Tage in die Karibik, zwölf Paar Schuhe in meinem Koffer befanden, die ich unbedingt mitnehmen zu müssen glaubte, merkte mein Freund gar nicht. Er wunderte sich nur, dass ich trotz der tropischen Temperaturen mit meinem Reisegepäck an das Beförderungslimit der Fluggesellschaft reichte… Jeder hat eben so seine Laster. Nur hausieren gehen muss man damit nicht unbedingt!

Auf die Hobbys!

Ihre Andrea Wistuba


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