Kolumne Erstes Date

Entspannt und ehrlich – so klappt´s beim ersten Date!

von Regina Swoboda

Er ist groß und dick. Und thront mitten auf der Stirn. Pickelalarm! Ausgerechnet vor dem ersten Date. Mindestens so katastrophal wie Mundgeruch vor dem ersten Kuss. Oder stoppelige Beine inklusive Cellulite-Dellen vor der ersten gemeinsamen Nacht. Denken wir zumindest. Da hilft auch nicht das ganze Gerede von den inneren Werten. Was nutzt uns unsere Bereitschaft, alten Menschen über die Straße zu helfen, wenn wir daherkommen wie auf sogenannten Vorher-Fotos. Nichts da. Wir wollen das Nachher-Foto sein. Denn beim ersten Date möchten wir mindestens mit Heidi Klum und Konsorten konkurrieren können. Wir wollen, dass er vor Begeisterung kaum noch atmen kann, sobald wir das Restaurant betreten. Kurz und gut: Wir wollen den maximalen Wow-Effekt.

Verständlich, dass Frauen nicht gerade in Jogginghosen und mit fettigen Haaren aufschlagen, wenn der bisher virtuelle Mister Right in greifbarer Nähe scheint. Er soll ja nicht nur ein Online-Flirt bleiben. Doch das rundherum perfekte Styling bringt nicht unbedingt die Pluspunkte, die sich Frauen wünschen. Sie überschätzen das Äußere oft. Natürlich, ein Mann mag sich die Frau, die er vor sich hat, gerne anschauen. Doch wichtiger als ein sexy Outfit ist das, was die Frau ausstrahlt. Auch wenn wir das so oft schon gehört haben, es ist trotzdem nicht weniger wahr. Wenn Frau sich wohl fühlt in ihrer Haut und mit ihrer Weiblichkeit, dann wirkt das auf Männer automatisch attraktiv. Egal, ob sie Sneakers trägt oder High Heels.

Also, eins, zwei, drei, durchatmen, und einfach entspannter an die Sache rangehen. Das kommt beim Mann auch deshalb gut an, weil er zu einem Gegenüber, das locker und unkompliziert ist und auch mal einen frischen Soßenfleck weglächelt, schnell einen besseren Draht hat als zu solchen, die alle fünf Minuten überlegen, ob die Frisur noch sitzt. Letztlich sind gutes Aussehen und schöne Klamotten nicht mehr als schmückendes Beiwerk. Ihm bleibt nämlich nicht die Farbe der Schuhe oder des Lippenstifts in Erinnerung, sondern wie er sich mit der Frau gefühlt hat. Und wenn ihm das gefallen hat, dann, klar, will er mehr davon. Vielleicht ist er sogar auf dem besten Wege, sich geradewegs zu verlieben. Die Chancen stehen dann zumindest nicht schlecht.

Damit es beim ersten Date gut läuft, gilt also: locker machen. Entspannt sein. Etwa so als hätte man gerade fünf Tage Wellness-Urlaub hinter sich. Das sollten auch Männer beherzigen. Denn nichts turnt eine Frau mehr ab als Typen, die krampfhaft beeindrucken wollen nach dem Motto: mein Haus, mein Auto, mein Boot. Wer sich für gnadenlos unwiderstehlich hält, immer wieder auf seine Rolex blickt und einer Frau das Gefühl gibt, sie könne unendlich dankbar sein, dass er sich zwischen zwei Meetings überhaupt mit ihr trifft, rutscht auf der Beliebtheitsskala ruckzuck nach unten. Was einer Ach-so-Tolles von sich erzählt, ist nun mal nicht zwangsläufig beeindruckend. Ehrlichkeit hingegen kommt an. Also auch mal sagen, was man nicht so gut kann, über Macken und skurrile Ticks sprechen – die hat ja im Grunde jeder von uns – und über sich selbst lachen können. Das schafft schnell Sympathiepunkte.

Sie sehen, eigentlich könnte so ein erstes Date ganz unkompliziert ablaufen. Wenn man sich selbst nicht ständig irgendwelche Hürden in den Weg stellt. Besonders Frauen haben anscheinend ein Händchen dafür. Bestes Beispiel: die Rolle der „Miss Unnahbar“ spielen. Hartnäckig hält sich nämlich der Irrtum, dass es falsch sei, das Interesse an ihm auch zu zeigen. Doch Gegenfrage: Weshalb sonst treffen Sie sich mit ihm? Mit falscher Vorsicht jedenfalls kommen Sie nicht weiter. Schnell hat der Mann das Gefühl, zu „verhungern“ und gibt schließlich frustriert auf. Zeigen Sie also, dass Sie ihn mögen, öffnen Sie Ihr Herz, flirten Sie. Auch Männer hören gerne mal ein Kompliment. Und: keine Angst. Signalisiertes Interesse bedeutet nicht, dass Sie sich zu irgendetwas verpflichten, was Sie nicht möchten.

Gut. Sie sitzen nun da, lächeln sich über den Rand der Speisekarte an, ein romantisches Lokal, Kerzenschein. Doch worüber reden? Vielleicht darüber, dass die Tischdekoration „gar nicht geht“ und der Kellner ein echter Schussel ist? Besser nicht! Meckern ist alles andere als sexy. Und schnell ist der Verdacht da, dass Dauernörgelei auch in der Partnerschaft an der Tagesordnung stehen könnte. Schlechte Stimmung entsteht auch, wenn man ausgerechnet solche Themen herauspickt, die dem anderen eher unangenehm sind. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Date mit meinem Mann. Da lief es erstmal den Bach runter. Wir saßen beim Dinner und er fragte mich, warum ich alleinerziehend sei. Ich erklärte lang und breit und merkte, wie ich begann, mich zu rechtfertigen. Als ich dann wissen wollte, woran denn seine erste Ehe gescheitert sei und er mir ausführlich Bericht erstattete, war die Atmosphäre zwischen uns zum Davonrennen. Wir haben aber dann doch noch die Kurve gekriegt. Und zwar mit einem Themenwechsel. Schnell änderte sich die Stimmung, als wir uns über das unterhielten, was uns gut tut. Eigentlich ganz logisch. Doch viel zu schnell sind wir alle gefangen in der Problem-Falle. Nach dem Motto: Sag mir dein Lieblingsproblem und ich sag dir meins. Doch ein Date ist kein Termin beim Psychiater.

Auch ein No-Go: Lästern über die Ex-Partner. Wenn einer immer nur über schwere Enttäuschungen jammert und darüber, dass alle Männer Schweine sind oder alle Frauen blöde Zicken, dann schießt man damit garantiert ein Eigentor. Denn nicht ohne Grund überlegt sich dann der andere, ob er womöglich bald der Nächste auf der Abschussliste ist. Fluchtverhalten direkt nach dem Dessert kann in diesem Fall nicht ausgeschlossen werden. Und Frauen, seid gewarnt, bereits vor dem Dessert könnte schon Schluss sein, wenn ihr die Killer-Frage stellt, die da lautet: „Sag mal, willst du eigentlich Kinder?“ Mit Recht mag sich der Mann fragen, ob es hier eigentlich um ihn geht oder ausschließlich um seinen Samen. Und welcher Kerl mag schon nichts weiter sein als ein wandelnder Samenspender? Nichts gegen Familiengründerinnen in spe, aber solche Überlegungen sind beim ersten Date genauso deplatziert wie Alice Schwarzer als Kandidatin bei Germany´s next Topmodel.

Auch wenn viele Stolperfallen lauern, das erste Date ist keine Abschlussprüfung. Genießen Sie einfach, dass da einer ist, der Ihnen gefällt. Und dem Sie gefallen. Alles ist möglich. Und sollte es anders verlaufen als Sie es sich erträumt haben, dann nehmen Sie es spielerisch. Denn: Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf. Und wenn alle Stricke reißen – das nächste erste Date kommt bestimmt. Nur Mut!

Ihre Regina Swoboda


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