Teilnehmerbeitrag – Zehn Minuten

10 Minuten …

… sie schwankte zwischen Lachen und Wut. Jede einzelne Minute des Wartens hatte sie damit zugebracht, ihre Mails und das Telefonat noch mal in Gedanken durchzugehen.

Was war es diesmal? War er einer von denen, denen es genügte, eine Frau zu einer Verabredung zu überreden und dann nicht zu erscheinen? Seltsames Vergnügen oder einfach Schiss?

Er hatte ehrlich geklungen am Telefon. Nette Stimme, warm und voller Lächeln. Himmel, hatte sie mal wieder zu viel hineininterpretiert? Das passierte so leicht. Alte Gefühle, Sehnsüchte und schon geht’s los, obwohl man sein Gegenüber gar nicht kennt. Er würde nicht mehr kommen. Lag es an … zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein, zu … alt? „Hör auf zu spinnen“, ermahnte sie sich streng, „fahr nach Hause, mach dir eine Flasche Wein auf“. Sie würde eine Freundin anrufen und mal wieder ordentlich über Männer tratschen. Das war schon lange mal wieder fällig.

Sie wollte sich schon zu ihrem Auto umdrehen, da fuhr ein Wagen auf den Parkplatz. Die Marke, die er ihr genannt hatte, kannte sie nicht, sie kannte gar keine Automarken, aber die Farbe stimmte. Ein Mann stieg aus. Er war es. Nett sah er aus, sympathisch, ein bisschen zerzaust und er wurschtelte noch etwas an sich herum.

Er kam auf sie zu. Sie rieb noch schnell ihre Hand an der Jeans trocken, dann streckte sie ihm die Hand hin: „Ich bin die Elfriede“. Es war raus. Dieser schreckliche Name. Sie könnte ihre Eltern noch heute dafür klatschen. „Elfriede“, so nennt man eine Kuh!

Er nannte seinen Namen nicht, sagte: „Hi, tut mir leid, wenn ich zu spät bin, der Verkehr …“ Hm, etwas lahme Entschuldigung. Aber dann saßen sie im Lokal. Er ließ ihr die Wahl des Tisches und er passte sich an bei der Wahl des Essens. Nett, aber sie merkte, dass er wahrscheinlich lieber ein Bier gehabt hätte als Wein. Sie war vor Aufregung kaum in der Lage, etwas zu essen. Salat war das einzige, auch wenn der immer zwischen Zähnen landete, egal.

Er erzählte viel, beschrieb die Einrichtung des Lokals – hey, das ist eine Pizzeria. Lustig war es, wie er die Beziehungen der anderen Gäste zueinander beschrieb. Eigentlich eine Spezialität von ihr, die Antennen auszufahren und mitzubekommen, was an den Nebentischen geredet wurde und es zu interpretieren. Aber es gefiel ihr, dass er sich Mühe gab, egal wie und womit.

Dabei bemühte sie sich, sich ein Lächeln zu verkneifen. Sein Hemd war falsch geknöpft, wirkte irgendwie ja niedlich, rührend. Sie begann sich zu entspannen, das Gespräch lief, sie schien ihm auch nicht so unsympathisch zu sein, seine Blicke wurden länger, seine Hände rückten mehrmals verräterisch in ihre Nähe.

Er ging zur Toilette. Als er zurückkam, das Hemd richtig geknöpft, fragte er nach ihrer Handynummer. Mist, sie hätte es wissen müssen. Was jetzt, wie kam sie aus der Nummer raus, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen. Wie konnte man so blöd sein? Was würde er denken, wenn er es herausbekäme?

Sie schrieb etwas auf einen Zettel, schob ihn über den Tisch und sie verabschiedeten sich freundlich.

Sofort morgen würde sie sich endlich ein Handy zulegen.

Autorin: DieReisende52 / 2012

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