Teilnehmerbeitrag – Es war einmal

Es war einmal …

… ein junger Mann von 52 Jahren. Ähmmm. Nein, so nicht. Es war einmal ein Mann in der mittleren Hälfte seines Lebens, der durchstreifte den dunklen Wald der Dating Cafe Profile. „Rapunzel, lass´ dein Haar herunter“, wollte er manchmal rufen und „Zieh´ mich zu dir herauf“. In manchen Profilen hätte die Haarlänge sicher dafür ausgereicht, aber sie hießen alle nicht Rapunzel.

Und so stand er unten am Rand des Profils, betrachtete sich das Bild und wenn der König ihn streng ansah, schrieb er auch eine Nachricht. Warum auch nicht?

Einigen Elfen hatte er in seinem Leben die Schuhe übergestreift, doch hatten sie nie so richtig gepasst. Wo war Aschenputtel? Einmal muss der Schuh doch passen? Er war weder Prinz noch Frosch, noch verwandelte er sich. Er brauchte sich nicht zu verwandeln. Wer ihn küsste, wusste von vornherein, dass er nicht zum Prinzen mutierte, er aber auch vorher kein Frosch war.

„Okay“, dachte er, „einen Schimmel habe ich nicht, dafür ein Auto mit 5-Gang-Getriebe. Das muss doch auch gehen? Damit kommt man doch überall hin und statt Hafer gibt es Tankstellen.“ Wenn er nicht hier durch den Wald pirschte, war er unterwegs, den lieblichen Gesängen der Bands zu lauschen. Verwegene, oft wilde Kobolde mit lauten Gitarren, die längst vergessene Klänge der vergangenen Jahrzehnte darboten. Er lauschte gerne dem zauberhaften Gesang und sah junge Zofen dazu tanzen.

Und die Besuche bei den Hofnarren? Ja, es gab sie noch immer, diese Hofnarren – lange bevor das Wort „Comedy“ erfunden wurde – und sie erfreuten ihn mit allerlei verbaler Kunstfertigkeit in dunklen, mit Tischen besetzten Kaschemmen. Einige Taler als Abgabe an den Betreiber reichten stets, um eingelassen zu werden.

Er dachte an Hänsel und Gretel. Nein, ein Haus hatte er noch nicht angeknabbert. Er aß doch keine Thermoisolierung! In Märchen waren die Häuser mit Lebkuchen isoliert, die konnte man schon anknabbern.

Und so wandte er sich wieder an seinen Spiegel, den er von Schneewittchen noch kannte. „Spieglein, Spieglein an der Wand, wo ist die schönste Braut im ganzen Land?“ „Was suchst du denn?“, fragte ihn der Spiegel. „Naja, ne Liebe.“ Der Spiegel fragte wieder: „Okay, ´ne Liebe. Aber wie soll sie sein?“ Und er überlegte sich, bevor er antwortete, wie sie sein sollte. Man konnte sich schließlich niemanden wie Frau Holle aus den Federn schütteln.

Lange dachte er nach. „Also, lieber Spiegel, sie sollte in meinem Alter sein, sie sollte Humor haben, sie sollte nicht zu klein sein, sie sollte schon ein wenig attraktiv sein und sie sollte auch nicht zu weit weg wohnen. Ach so, und sie sollte Zeit haben. Und, lieber Spiegel, sie kann auch lange Haare haben, aber bitte, bitte, sie sollte nicht Rapunzel heißen. Geht das?“

Der Spiegel überlegte und sagte ihm: „Hast du es denn schon hier versucht in diesem Zauberwald der zauberhaften Profile?“ „Naja, Spiegel, klar hab‘ ich schon mal geschaut, aber so richtig aktiv war ich nicht, ehrlich gesagt.“

Der Spiegel lächelte ihn an: „Sie wird dich finden, sie wird das hier lesen, sie wird, genau wie du, gerne mal was unternehmen, mit dir ins Kino oder Theater gehen, sie wird Spaß haben, mal ein Konzert zu besuchen, mit dir verreisen wollen, mal ein Musical besuchen. Und sie wird auch genauso gerne mit dir zuhause sein wollen, um gemeinsam mit dir zu kochen oder die Sonne auf der Terrasse zu genießen. Du musst nur ein wenig Geduld haben. Sie meldet sich schon.“ Jetzt lächelte auch er. „Gut Spiegel, ich werde warten und ich werde dir wieder berichten“.

Das Leben würde einfach märchenhaft werden …

Autor: -noodles- / 2012

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