Teilnehmerbeitrag – Die Mogelpackung

Die Mogelpackung

Aranea_Diadema ist ja noch völlig ungeübt in dem Gewerbe virtueller Beziehungsanbahnung und macht gerade ihre ersten, zögerlichen Schrittelchen. Bisschen Text ins Profil, paar nette Fotos. Reicht das so …? Es hagelt schon nach den ersten Stunden erfreulich viele Zuschriften … Und dann: das erste Treffen …

Er starrt sie an – höchsterfreut, das ist nicht zu übersehen. Und dann … es klingt nicht direkt wie ein Vorwurf, aber für eine bloße Feststellung kommt es viel zu überrascht: „Mein Gott. Deine Angaben stimmen ja alle …!“ Spontaner Sprühkaffee in seine Richtung – „’tschuldigung“, tupf-tupf, nichts passiert, wie peinlich, passt schon … Aranea_Diadema scheint wohl ein wenig naiv zu sein, denn sie fragt: „Ja, warum denn bitte auch nicht?!“ Die Antwort ist ein trockenes Lachen, es wirkt fast etwas freudlos, findet sie spontan. „Das frag’ ich mich ja auch immer wieder.“, sagt ihr Galan, „Aber du glaubst ja nicht, was ich DA schon alles erlebt habe!“. Nee, das glaubt sie nicht: „Erzähl mal!“ Und er lässt sich nicht zweimal bitten:

Also zuerst mal war da die Lady, die nur ein Portrait eingestellt hatte, ein bisschen pausbäckig, aber niedlich. Als „sehr weiblich“ hatte sie sich beschrieben – Oh, là, là, das sprach ihn an und er verabredete sich mit ihr in einem Café. Anscheinend war sie aber nicht da, denn da saß nur eine ältere Dame, mit so einer Art Zelt bekleidet. Das Gesicht meines Galans verfinsterte sich: „Das musste sie aber sein, war ja sonst keiner da … Da hatte sie wohl aus Versehen ein etwas älteres Bild eingestellt. Ich ging also mal zögerlich zum Tisch, sie stand erfreut auf – und plötzlich verfinsterte sich die Sonne …!“ Aranea kämpft schon wieder mit spontanem Kaffee-Austritt, aber der Herr Galan kommt jetzt erst richtig in Fahrt.

Da war die Lady gewesen, 47 Lebensjahre Jahre hatte sie angegeben und sie verstanden sich auf Anhieb. Während sie so in ihrer Küche schnibbelten und brutzelten, kamen sie ins Plaudern und sie erzählte, dass sie die letzte Party hier auf dem 40. Geburtstag gehabt hätte. Er sagte: „Oh, das ist aber lange her“ Und sie zwitscherte: „Aber nein, letzten Sommer!“ Und er sagte: „Ähhhh …“ Und sie sagte mit schiefem Grinsen: „Der 40. von meiner Tochter!“ Und er sagte: „ÄHHHHH …!!“ und „Ich mag ja nicht so besonders pfiffig aussehen, aber Kopfrechnen klappt noch: Wenn DU 47 bist, kann deine Tochter wohl kaum …“ Und sie: „Duuuu, ich muss dir was gestehen, ich bin 61… Ist das ein Problem für dich?“ Und er: „Allerdings! Ich stell mir gerade vor, wie ich dich in zehn Jahren zum Tanzen auffordere und du verhakst dich erst mal mit deinem Rollator in den Stuhlreihen, damit habe ich tatsächlich ein Problem!“ Aranea läuft der Kaffee fast aus der Nase, guter Eindruck für ein erstes Date. Ihr Galan ist grimmig, hat sich leicht in Grant geredet.

„Aber das war ja noch gar nichts gegen die, die mal im Restaurant von der Toilette kam, ihre Handtasche auf den Tisch stellte und oben hing dann ein geblümter Schlüpfer raus …“ Aranea schluckt hektisch: „Da hätte dir die Sache komisch vorkommen können …“ „Naja“, grummelt ihr Galan „sie wollte dann etwas spazieren gehen, schöne Nacht, blala…“ „Ganz unverdächtig“, gluckst Aranea „Ja, genau. Jedenfalls bis zur Parkbank … Da wollte sie dann unbedingt – naja, ohne mich jedenfalls!“. Aranea schaut ihn fassungslos an: „Aber warum denn nicht??“ Ihr Galan dampft schon fast: „Wofür hältst Du mich, sag mal?! Außerdem war da Verkehr wie am Stachus. Und ich dachte: Gestern Manni, heute ich, morgen Volker, nein danke!“. Er trinkt verdrießlich von seinem Kaffee.

„Und dann war da noch die – wir trafen uns am Hauptbahnhof – und die hatte dann so ein ganz übles Zucken – so!“ Er zuckte und es sah wirklich ganz übel aus. „Das hatte man auf dem Foto natürlich nicht gesehen, das Zucken! Naja, ich dachte – probieren wir es halt, wir wollten dann also nach Schwabing. Und ich steig‘ in die Bahn ein, es ist ziemlich voll, sie ist irgendwo weit abgeschlagen, auf einmal geht die Tür zu und ich seh’ sie noch am Gleis stehen und in ihr Handy tippen … Tolle Wurst, denk‘ ich, tolles Date! Kurz darauf krieg‘ ich ’ne SMS: „Du, sorry, ich fahr doch lieber wieder nach Hause.“ Mein Galan lacht: „Ich dachte, was soll’s, in die Bahn musste ich ja sowieso, wenn ich heim wollte … und das wollte ich wohl dann plötzlich …“ Aranea kriegt sich nicht mehr ein. „Ich fang an mich fremdzuschämen!“ kichert sie.

Und ihr Galan sagt: „Und ein Date hatte ich, da stimmte wohl auch überhaupt nix! Ich hab dann schon im Hinsetzen gesagt: ‚Hör mal zu, ich hab gesagt, ich trink‘ einen Cappuccino mit dir, aber dafür reicht es einfach nicht! Zwei Espressi bitte!“ Aranea schaut ihn mit offenem Mund an. Er nickt und sagt triumphierend: „Und danach kriegte ich ’ne bitterböse E-Mail, dass ich taktlos sei und schlecht erzogen – ich hätte sie ja nicht mal zu ihrem Auto gebracht.“

„Und ich bin die Ausnahme, ich bin wie mein Profil …“, sagt Aranea leicht verunsichert. „Ja!“, strahlt der Herr Galan, „Und Du riechst dazu auch noch gut!“ „Ach je!“, jammert Aranea, „Hätte ich das nicht besser reinschreiben sollen??“ Ihr Galan lächelt: „Nö, bloß nicht. Sonst wollen noch alle an dir schnüffeln …“ Zu viel Ehrlichkeit ist also auch nicht gut, scheint’s …

Autor: Aranea_Diadema / 2012

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