Nein sagen

Leider nicht – so tut ein Nein nicht weh

von Regina Swoboda

So war das nicht geplant. Eigentlich sollte es ein Treffen werden, das Lust macht auf Mehr. Doch nun fallen einem zig Orte ein, an denen man lieber wäre, als ausgerechnet hier zu sitzen. Bloß weg von hier, meinetwegen nach Grönland. Kurz und gut: Das erste Date ist ein kolossaler Reinfall. Da hilft es auch nichts, dass die Sonne vom blitzblauen Himmel scheint, der Cappuccino wunderbar cremigen Milchschaum hat und jeder rundherum so richtig gut gelaunt ist. Die eigene Stimmung ist im Keller. Mindestens. Gründe dafür gibt es viele. Sie hat beim Alter geschummelt und sich zehn Jahre jünger ausgegeben als sie wirklich ist. Er redet ununterbrochen von Softwareprogrammen. Sie zieht über ihre früheren Lover her. Er hat schiefe Zähne und Mundgeruch. Und so weiter. Mal passt es optisch nicht, mal stimmt die Chemie nicht. Das passiert. Doch wie kommt man möglichst heil wieder aus der Sache heraus? Wie mache ich dem anderen klar, dass der Funke einfach nicht übergesprungen ist?

Keine leichte Angelegenheit. Niemand erteilt anderen gerne eine Abfuhr. Wir wollen nun mal niemandem wehtun und oder vor den Kopf stoßen. Verständlich. Doch es bringt auch nichts, falsches Interesse vorzuspielen. Das ist im Grunde noch verletzender. Also, raus mit der Wahrheit. Es muss ja nicht gleich die Holzhammer-Methode sein. Lieber in den Schonwaschgang schalten. Auch für ein Nein lassen sich charmante Worte finden. So ermöglichen wir dem anderen, sein Gesicht zu wahren. Eine Absage, bei der beide ohne Blessuren davon kommen, könnte beispielsweise lauten: „Du hast ja sicher auch gemerkt, dass wir total unterschiedlich sind.“ Natürlich bleibt zu hoffen, dass der andere sensibel genug ist, diesen Wink mit dem Zaunpfahl auch wirklich zu sehen. Schön, wenn man sich am Schluss noch zu einem Kompliment aufraffen kann. Etwa: „Es war spannend, Dich kennen zu lernen“. Das sollte natürlich nicht gezwungen wirken. Genau hinschauen lohnt sich aber. Im Grunde hat jeder etwas an sich, das sympathisch ist.

Wahrheit hat Vorfahrt. Doch Schummeln ist unter gewissen Umständen erlaubt. Etwa dann, wenn kein anderer Rettungsanker greifbar ist. Man muss deshalb nicht gleich XXL-Gewissensbisse kriegen. Schließlich erzählen wir Kindern auch, dass es Osterhase und Nikolaus gibt, ohne groß etwas dabei zu finden. Und die Wahrheit in allen Ehren. Aber ein abfälliges „Du gefällst mir nicht.“ mag ehrlich sein, leicht zu verdauen ist es nicht. Dann lieber flunkern: „Ich habe schon jemand anderes kennen gelernt.“

Aber wäre es nicht zumindest fair, dem Dating-Partner mitzuteilen, warum man sich gegen ihn entschieden hat? Dagegen ist nichts zu sagen. Wer es sich zutraut, nur zu. Wichtig ist, den Grund so zu formulieren, dass die Lichter des Gegenübers nicht komplett ausgehen. Das erfordert Taktgefühl. Und verbales Geschick. Ist die Sache behutsam genug eingefädelt, kann das für den anderen sogar hilfreich sein. Vielleicht weiß sie gar nicht, dass sie so viel quasselt. Vielleicht ist ihm gar nicht klar, dass sein Humor ständig unter die Gürtellinie geht. Denken Sie bei Ihrer Kritik aber daran: Sie sprechen nicht im Namen der gesamten Menschheit. Jeder hat einen anderen Geschmack. Was Sie nicht mögen, gefällt möglicherweise dem nächsten. Insofern, wählen Sie Formulierungen mit Ich-Botschaften. Also beispielsweise: „Ich weiß, dass ich recht groß bin, aber ich mag es einfach, wenn mein Partner größer ist als ich…“ Oder: „ Du hast sehr viel von deiner Ex gesprochen, ich habe das Gefühl, du bist noch sehr verletzt.“ Mit solchen klaren Ansagen können vor allem Männer gut umgehen, auch wenn sie heikle Themen berühren. Unterschwellige Botschaften verunsichern eher. Es gibt übrigens Ausnahmen, in denen man man ohne schlechtes Gewissen eine knallharte Abfuhr erteilen kann. Und zwar dann, wenn man bereits im Vorfeld belogen wurde. Hat beispielsweise einer bewusst in Sachen Alter getäuscht, sich beispielsweise um 15 Jahre verjüngt oder sich als schlank ausgegeben und 30 zusätzliche Kilos einfach verschwiegen, dann dürfen wir mit Fug und Recht darüber sauer sein und das auch zum Ausdruck bringen.

Der Klassiker „Ich ruf dich an.“ gehört zu den Lieblingsfloskeln nach dem ersten Date. Längst ist uns klar: Meistens stimmt das nicht. Es ist nur Höflichkeits-Blabla. Trotzdem greifen besonders Frauen nach diesem Satz wie nach dem letzten Strohhalm, wenn sie Interesse an dem Typen haben. Nach dem Motto: „Aber er hat doch gesagt, dass er anruft.“ Hoffnungsvoll nehmen sie auf der Wartebank Platz. Dabei passiert es schnell, dass sich regelrechte Horrorszenarien ausgemalt werden. Ich weiß sogar von Fällen, da haben Frauen im Büro des Auserwählten angerufen, um sich zu erkundigen, ob er noch lebt und regelmäßig zur Arbeit kommt. Auch wenn man nicht gleich den Exitus des anderen in Erwägung zieht, wer schon mal zehn Tage auf einen Anruf gewartet hat, kennt unzählige Tiefen. Eine Erfahrung, auf die man, ehrlich gesagt, gerne verzichten würde. Deshalb sollte ein „Ich ruf dich an.“ kein leeres Versprechen sein. Keine Methode, um sich möglichst gefahrlos aus dem Staub zu machen. Wenn einer sagt, er ruft an, dann sollte er das auch machen.

Damit es gar nicht erst zur Dating-Katastrophe kommt, sollte man mit seinem Online-Flirt bereits schon vorab am Telefon gesprochen haben. Da findet man meist schnell heraus, wo die Sympathien liegen. Um auf Nummer Sicher zu gehen, empfiehlt sich, nicht gleich ein Candle-Light-Dinner zu verabreden, sondern erstmal einen lockeren Treff auf einen Kaffee am Nachmittag. Im Ernstfall kann man sich dann nach etwa 30 Minuten davon stehlen. Vielleicht aber müssen Sie das gar nicht, sondern strahlen beim nächsten Date mit der Sonne um die Wette. Ich wünsche es Ihnen.

Ihre Regina Swoboda


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