Tipps für Entschuldigungen

Mea culpa – Was beim Entschuldigen wichtig ist

Fehler sind menschlich. Und wenn’s gut läuft, lernt man draus. Zum Beispiel: dieselben nicht mehr machen. Die übermenschliche Hürde: Fehler zugeben. Besonders, wenn sie Gefühle verletzen. Oft meint man dann, eine Riesenschwäche zu zeigen, vom schlechten Gewissen ganz zu schweigen. Leichter ist es, einen unabsichtlichen Fehltritt zu beichten, bei dem Unlebendiges leidet: Omas Bleikristall-Vase zerdeppert, Mamas heiß geliebten Pulli drei Nummern kleiner gewaschen. Je nach Tat – und Persönlichkeit des „Opfers“ – muss man sich unterschiedlich stark ins Zeug legen, um gut Wetter zu machen. Eins gilt aber immer: Eine Entschuldigung ist nicht schwach, sondern Ausdruck von Charakterstärke – wenn Sie’s richtig machen. Tun Sie’s …

1. schnell

Sich entschuldigen, das ist wie Hunde oder Kinder belohnen oder bestrafen: je kürzer die Zeit zwischen Aktion und Reaktion, je präsenter also der Anlass, desto wirksamer die Erziehungsmaßnahme – oder eben das Reue-Gelübde. Außerdem haben Frust und Ärger so weniger Zeit, sich breitzumachen. Also: nicht aussitzen und die Überwindung wachsen lassen, sondern ran an den Feind!

2. freiwillig

Wer ein „Sorry“ nur nach Druck von außen schafft, vermittelt: „Wirklich leid tut’s mir nicht.“ Schon das Fordern einer Entschuldigung ist übrigens ein zweifelhafter Schritt. „Ich will, dass du dich entschuldigst!“ Das führt selten zum Wunschergebnis. Wen befriedigt schon ein schmallippiges „Tut mir leid“, das so glaubhaft ist wie ein Bank-Werbespot? Der schwarze Peter liegt beim Täter. Stellen Sie sich. Mut wird oft mit Respekt und Begnadigung belohnt.

3. persönlich

„Meine Freundin findet dich toll, traut sich aber nicht, den ersten Schritt zumachen. Vielleicht magst du sie ja ansprechen …?“ Schüchtern Freunde vorzuschicken, kann beim Flirt mitunter sehr charmant sein. Wollen Sie sich entschuldigen, ist es das aber leider nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Dass Sie einen unbeteiligten Dritten dazu ziehen, der für Sie Partei ergreifen soll, bringt Ihren Partner eher noch mehr auf. Eigentlich zu recht, nicht wahr?
Halten Sie also Ihre Lieben heraus. Im Zweifel werden die sich ohnehin nicht einspannen lassen, weil auch sie wissen, was den besten Eindruck macht: für seine Fehler immer höchstpersönlich gerade zu stehen.

Der Gang nach Canossa ist Ihr Job – und Ihre Chance, für Courage und Rückgrat Pluspunkte einzustreichen. Schicken Sie niemanden vor. Gut, manchmal ist der Weg versperrt. Wenn man nicht am gleichen Ort ist zum Beispiel. Was immer geht: anrufen statt (SMS oder E-Mail) schreiben. Letzteres ist zwar bequemer, wird aber zu Recht als Ausweichmanöver verbucht, weil der Sünder die Konfrontation mit der direkten Reaktion umgeht: mit Fragen, vielleicht auch mit Vorwürfen.

Anders sieht’s aus, wenn Sie nur per Mail, Chat oder SMS Kontakt hatten. Da ist es in Ordnung, auf der Schreib-Ebene zu bleiben. Außer, Sie wollen die Sache gern in Echtzeit zu klären. Auch NUR (noch) schriftlich geht’s, wenn sie oder er nicht mehr Ihnen spricht. In dem Fall haben Sie aber vermutlich eh ganz andere Probleme …

„Ach nun komm, rede doch mal mit ihr!“ Schicken Sie nicht Ihre Freunde vor, wenn Sie sich bei Ihrem Partner entschuldigen müssen. Das ist eine mehr als unschöne Geste, die nur noch größeren Unmut gegen Sie erzeugt.

4. vorbereitet

Das Aber zu Tipp 1 („schnell“): Manchmal ist es gut, ein paar Tage Gras über die Sache wachsen, die Emotionen abkühlen zu lassen.

Auch mal sinnvoll: sich erst mal per Mail oder Brief melden. Wenn die Sache kompliziert ist und Sie weiter ausholen wollen. Wenn Gedanken und Gefühle gesammelt, geordnet und ohne Unterbrechung vorgetragen werden sollen. Kündigen Sie Ihre Bearbeitungszeit an: „Ich brauche ein bisschen, um alles auf Reihe zu bekommen. Ich melde mich in x Tagen.“ Geben Sie dazu die Möglichkeit zum Anschließend-drüber-reden. Besser, als sich überhastet und mit halbgaren Erklärungen ins Gespräch zu stürzen.

Der verzapfte Mist ist groß? Dann ist auch der Ort der Entschuldigung wichtig. Wir groß ist das Streitpotenzial? Könnte es hoch hergehen, laut werden? Ein Café oder Restaurant ist dann buchstäblich ein No-Go. Vielleicht besser in den eigenen vier Wänden? Oder wenigstens unter vier Augen? Ein Spaziergang? Frische Luft macht die Köpfe frei, die Bewegung lockert Verkrampfungen. Sich übers Wo Gedanken machen, zeigt: „Das ist mir wichtig. DU bist mir wichtig.“ Sich-dafür-Zeit-nehmen übrigens auch.

Ihre Einschätzung der Situation ist gefragt. Im Zweifel schildern Sie die Sachlage Freunden und entwickeln gemeinsam einen Schlachtplan.

5. geradeheraus

Reden Sie nicht um den heißen Brei. Leicht salbadert man sich um Kopf und Kragen und verpasst das Ziel: die Versöhnung. Was haben Sie zu sagen? Raus damit! Das spart Zeit und Nerven und wirkt souverän und überzeugend(er). Ihr „Opfer“ soll ja wissen, was es verzeihen soll. Machen Sie’s kurz und bündig. Und geben Sie Ihrem Gegenüber Raum zum Reagieren, im besten Fall: zum Verzeihen. Dafür braucht sie oder er Sprechzeit. Nicht nur Hörzeit.

6. angemessen

Sie finden, die Farbe Pink ist eine Beleidigung fürs Auge? Alle Ersparnisse ins Autotuning stecken hirnrissig? Das sagen Sie auch? Dummerweise haben Sie IHRE Lieblingsfarbe oder SEINE Leidenschaft erwischt? Blöd gelaufen – aber nichts, was ein Wahnsinns-Bohei rechtfertigt. Weder vom Beleidigten, noch von der Beleidigerin. Ein gelächeltes „Sorry, war nicht bös oder persönlich gemeint.“ sollte reichen. Beiden. Dazu ein flotter Spruch, in dem Sie Ihre eigenen Marotten auf die Schippe nehmen, dann ist schnell wieder alles gut. Zusammen lachen hat noch jedem Frust Beine gemacht.

7. aufrichtig

Die Umstände, die Gesellschaft, Pech, Zufall, Schicksal: Alles ist schuld – bloß Sie nicht? Finger weg von Ausreden! Meist werden die entlarvt und machen die Sache schlimmer. Auch beliebt, aber wenig hilfreich: Fehler klein reden. „War doch nicht schlimm …“ Da können Sie gleich sagen: „Stell dich nicht so an.“ Autsch! Sie sind felsenfest überzeugt: Sie sind im Recht, haben nichts falsch gemacht? Dann lassen Sie’s. Ihre Entschuldigung sollte nicht wie eine Pflichtübung rüberkommen. Von Herzen oder gar nicht.

8. 100-prozentig

Super-No-Go: nach dem Pardon zum Gegenschlag ausholen: „Wo wir dabei sind – x war aber auch nicht eine deiner Glanzstunden …“ Perfekt – um aus einer Sturmflut einen Tsunami zu machen, statt die Wogen zu glätten. Sie haben mal wieder so richtig Lust auf einen vermurksten Abend? Dann starten Sie einfach eine fällige Entschuldigung – und danach gehen Sie zum Angriff über. Sorry + Retourkutsche = Versöhnung für Masochisten. Wurst-wieder-Wurst kennt keine Gewinner. Ganz oder gar nicht, entscheiden Sie sich.

9. nachhaltig

Kennen Sie die Fabel von Hirtenjunge und Wolf? Aus Langeweile ruft der Hirte beim Hüten der Schafe: „Ein Wolf!“. Die Dorfbewohner eilen zur Hilfe, merken: „Fehlalarm“ und ziehen grummelnd ab. Der Hirte wiederholt das Spiel ein paar Mal, bis eines Tages tatsächlich ein Wolf die Herde reißt – weil auf sein Rufen niemand mehr einen Pfifferling setzt. Lassen Sie Worten Taten folgen. Lassen Sie Ihre Entschuldigung in eine spürbare Verhaltensänderung münden. Wer sich immer wieder den gleichen Fauxpas erlaubt, weil er meint, sich per Sorry freikaufen zu können, der stößt bald auf taube Ohren.

Mea culpa - was beim Entschuldigen wichtig ist

Entschuldigung abgelehnt. Wenn Sie einen Fehler gemacht haben, sehen Sie ihn auch wirklich ein und ändern Sie Ihr Verhalten. Sind und bleiben Sie vor allem „Wiederholungstäter“, nimmt Ihnen der Partner Ihre Reue nicht mehr ab.

10. überraschend

Kann wie Gute-Stimmung-Erkaufen ankommen, trotzdem: Ein kleines Geschenk, eine Unternehmung oder eine Überraschung, das kann ein Türöffner sein, der milde stimmt. Blumen. Kino- oder Theaterkarten. Eine Einladung zum Essen. Antipasti, Ciabatta und Rotwein besorgen und ein Candle-light-Picknick im Wohnzimmer zelebrieren. Je origineller und persönlicher Ihr Einfall, desto besser. Da wird aus einer schnöden Entschuldigung schnell ein romantischer Spaß. Für beide. Hauptsache, Sie behalten das Wesentliche im Blick: „Es tut mir leid.“ Am besten: mit einem Lächeln.

Der Schnelldurchlauf: Entschuldigen Sie sich …

1.    (so) schnell (wie’s geht)
2.    freiwillig
(ohne Bitten-lassen-müssen)
3.    
(so) persönlich (wie möglich)
4.    
(bei Bedarf gut) vorbereitet
5.    geradeheraus
(und auf den Punkt)
6.    
(der „Schwere der Tat“) angemessen
7.    aufrichtig
(ohne Wenn und Aber)
8.    100-prozentig
(ohne Wurst wider Wurst)
9.    nachhaltig
(und glaubhaft)
10. 
(mit einer) überraschend(en Idee im Gepäck)



Zurück zum Seitenanfang  | Zurück zur Themenübersicht